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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1888-01-01 · Heft 3 · p. Seite 233

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1888
Issue
Heft 3
Article
Ueber eine Sammlung deutscher Volks- und Gesellschaftslieder in hebräischen Lettern
Date
1888-01-01
Page
Seite 233 (sequence 2)
Language
German
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Volks- und Gesellschaftslieder in hebräischen Lettern. 233 schast erschloß, sich einzuverleiben wußte. Und läßt uns nicht die Anempfindungskraft deutscher Sprache und deutschen Geistes die Dichterheroen anderer Völker, einen Homer, Dante, vor allen Shakespeare, voll und ganz mitgenießen! Aber den ersten Platz der Anpassungsfähigkeit macht der deutschen Litteratur eine andere streitig. Und die Konkurrenz dieser ist um so wirksamer, als die Nation, der sie angehörte, nicht warten durste, bis die Geistesschätze der Fremden zu ihr gelangten, sondern genötigt war jene selbst aufzusuchen: es ist die Litteratur eines Wandervolkes, der Juden. Die Berührung mit persischer und griechischer Kultur, die Bekanntschaft mit arabischem Wissen und spanischer Poesie, die Einwirkung europäischer Sitten und Anschauungen — alle Völker und Lande, zu denen sie in Beziehung traten, führten ihrer Litteratur die Stoffe jener zu. Der Most wurde auch in neue Schläuche gefaßt: es entsteht eine jüdische Litteratur in fremden Zungen, so zwar, daß die Lettern meist hebräisch bleiben, und die Pflege der „heiligen Sprache" nebenher bestehen bleibt. So ist die Litteratur der Juden eine vielsprachige geworden; griechisch, arabisch und lateinisch haben sie in ausgedehntem Maße geschrieben. Ob sie in Spanien, Frankreich und Italien die Landessprachen in weitem Umfange litterarisch gepflegt haben, ist noch nicht erwiesen; jedenfalls sind bisher nur einige wenige Spuren davon bekannt geworden— Glücklicher mit diesem Nachweis ist man in Deutschland. Hier hat der Sammelfleiß Einzelner die vorher weithin zerstreuten Litteraturdenkmale zu erhalten gewußt, und Bibliotheken machen sie der Forschung zugänglich^). Wer einmal einen Blick in diese Hunderte von Büchern und Handschriften gethan hat, der muß billig erstaunen über die unbeugsame Regsamkeit dieses Volkes, das einem harten Druck ausgesetzt war, und doch an seinem Teil eine rührige Mitarbeiterschaft an der Geistesthätigkeit in Deutschland zu Tage förderte. Aber ebenso erstaunlich hierbei ist die Macht der Ueber Kenntnis und Anwendung christl. Poesie seitens der Juden sind Belege zu finden bei Steinschneider, Verzeichnis der hebr. Hss. der K. B., Berlin 1878, S. 135, Anm. 2. — Ueber eine franz. Elegie in hebr. Lettern handelt A. Darmesteter, komania HI, 443—486; über hebr.-srz. Glossen ders., Rom. I, 146—176; serner Böhmer-Neubauer, Roman. Ltnäien I, 163—220. 2) Allen voran inbezug aus Reichhaltigkeit steht die Lsäleiana. in Oxford, die die Oppenheimsche Bibliothek erworben hat und stets durch neue Ankäufe zu ergänzen sucht. — Viel Material findet sich auch im Brit. Mus., ebenso in der RoZentnaliana. in Amsterdam. Die Münchener enthält auch manches Wertvolle. — Den HH. Beamten der genannten Bibliotheken suhle ich mich für ihre mir bereitwillig geleistete Unterstützung zu vielem Danke verpflichtet; im Besondern gilt dieser H. vr. A. Neubauer in Oxford und H. Vr. M. Steinschneider in Berlin, die mir teils bei der Lesung schwieriger Stellen, teils durch ihre ausgedehnten bibliographischen Kenntnisse behülslich waren. — Ihre Anregung aber verdankt vorliegende Arbeit einem Colleg des S. S. 1884 über „Deutsche Litteraturgeschichte bis zum Zeitalter der Reformation" bei Prof. Zarncke, der bei Gelegenheit der Besprechung des „Wigalois" auf die Wichtigkeit des Jüd.-deut. in sprachgeschichtlicher, kultur- und literarhistorischer Hinsicht aufmerksam machte. Für eine weitere Förderung der Arbeit habe ich dem Interesse, das mein verstorbener hochverehrter Lehrer Wilhelm Scherer an ihr nahm, und den instruktiven Ratschlägen des H. Prof. E. Schmidt zu danken. Zeitschr. f. d. Gesch. d. Juden i. Deutsch!. II. 16

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