Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 3
- Article
- Hermann der Prämonstratenser
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 230 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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230 I. AroniuS, Hermann der Prämonstratenser. Vortrefflich hat Bischof Ekbert seinen Mann gekannt. Er wußte, woraus es ihm ankam. Daher sucht er ihn in der Predigt von der Entbehrlichkeit nicht irgend eines dogmatischen oder moralischen Grundsatzes, wohl aber der Speisegesetze und ähnlicher Verordnungen zu überzeugen^), daher behandelt er ihn mit ausgesuchter Freundlichkeit, daher aber verbietet er auch das Gottesurtheil. So lange Hermann nicht von dem Glauben allein das Heil erwartete, konnte das Gottesurtheil bei ihm wirkungslos bleiben wie bei so vielen andern. Er mußte nicht ein Zeichen wünschen und erhalten, das mit körperlichen Augen geschaut werden konnte, sondern in seiner Seele mußte der rechte Gott sich ihm offenbaren. Deutlich genug wies er Hermann darauf hin, aber dieser begnügte sich, sowohl ihn wie Richmar als ausgezeichnete Männer zu bewundern ^), ohne den Unterschied in dem Verhalten der beiden zu erkennen. Es ist kein Zweifel, daß der Bischof richtiger geurtheilt hat als Richmar. Ein so leicht bestimmbarer, semer selbst so wenig sicherer Mann wie Hermann konnte durch ein Zeichen nicht dauernd gewonnen werden, es mußte schon etwas Stärkeres aus ihn wirken. — Hermanns Erzählung enthält mancherlei Belege für die Ansichten über die soziale Stellung und wirtschaftliche Thätigkeit der deutschen Juden in jener Zeit, wie sie neuerdings Hoeniger überzeugend dargelegt hat ^). Die Lage der Juden ist noch nicht ungünstig. Noch liegen Alle dem Handel ob, noch treiben sie das Geldgeschäft nicht gewerbsmäßig oder gar ausschließlich, aber der begonnene Uebergang dazu zeigt sich darin, daß sich bereits ein bestimmter, den Juden eigentümlicher Satz für das Werthverhältnis des Pfandes zum Darlehen gebildet hat. Das Darlehnsgeschäft Hermanns mit Ekbert wird sich hier nicht anführen lassen, da es wohl nur ein dem Bischof erwiesener Freundschaftsdienst war, aber bezeichnend ist doch, daß seine Angehörigen sich nicht darüber wundern, daß er sich auf ein solches Geschäft eingelassen hat, sondern nur darüber, wie er es gethan. Der Verkehr mit den Christen muß noch lebhaft und ungezwungen gewesen sein. Disputationen zwischen Juden und Christen waren damals gang uud gäbe, sie sind mit für die Zeit charakteristisch ^) und spielen ja auch in Hermanns Geschichte eine Rolle. Dergleichen war aber nur möglich, so lange beide Partheien sich ohne Mißtrauen ansahen und als gleichberechtigt anerkannten, und daß dies zu Hermanns Zeit geschah, wird durch manche kleine Züge in seiner Erzählung bestätigt. Baruch Ladelt an ihm nicht, daß er mit Christen umgeht, sondern daß dieser Verkehr allzu vertraut geworden ist, daß er unter den Christen lebt wie einer der ihrigen. Auch findet sich nicht, daß Baruchs Anklagen besonderen Eindruck gemacht haben. Hermanns Verwandte und Freunde beklagen wohl sein Verhalten, aber sie bestrasen ihn nicht, sie ergreifen keine Maßregeln, um seinen weiteren Verkehr mit den Christen zu verhindern und scheinen überhaupt nicht geglaubt zu haben, daß dieser Umgang verderblich sein könne. Erst der ge- 5y eax. 2, x. 808. "2) eax. 5, x. 814. 5») In dieser Zeitschrift 1, 65 ff. Reuter a. a. O. 1, 154 ff.