Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 3
- Article
- Hermann der Prämonstratenser
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 231 (sequence 15)
- Language
- German
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I. Aronius, Hermann der Pra'monstrarenser. 231 kränkte Schwiegervater sieht darin die Ursache von Hermanns Sinnesänderung. Auch daß Christen bei der Hochzeit zugegen sind, muß hier angeführt werden. Ferner das Verhalten Volquins, der, ein Geistücher in einflußreicher Stellung, den Juden eine nicht unbedeutende Gefälligkeit erweist und erst nach langen Verhandlungen und Vorhaltungen über die Gefährdung seines Seelenheils bewogen werden kann, das Vertrauen seiner Auftraggeber zu täuschen. Sehr bedeutsam scheint mir, daß niemand den Juden das Recht bestreitet, Hermanns Abfall als eine ihrer inneren Angelegenheiten zu betrachten und zu bestrasen. Wenn Hermann Geld und Bücher in Sicherheit bringt, so muß er doch gefürchtet haben, daß er Einziehung seines Vermögens nicht würde hindern können. Dem entspricht der energische Beistand, den die Mainzer Stadtbeamten der Mutter des entführten Knaben leisten, obgleich sie über den Zweck der Entführung nicht im Unklaren gewesen sein können, da sie Hermann in den Klöstern suchen lassen. Auch die Mönche in Welanheim getrauen sich nicht, Hermann zu schützen, sie dulden es, daß er weiterzieht. Ein Jahrhundert später dürfte diese Äitfü'hrung einen anderen Verlauf genommen haben ^). Wenn endlich Hermann von den die Zeit erfüllenden Ideen beeinflußt erscheint, so werden wir nicht mehr bezweifeln können, daß die Juden damals vollen Antheil an dem Leben und Denken ihrer christlichen Umgebung gehabt haben. Nur im engen Verkehr mit dieser Umgebung kann sich in Hermann jene Gemüthsstimmung vorbereitet haben, unter der er später zu leiden hat. Andere Wege der Vermittlung waren bei ihm, der erst in Münster Nichthebräisches lesen lernte, ausgeschlossen. Andererseits hätte der kurze Aufenthalt in Münster bei ihm zu einer nachhaltigen Wirkung nicht ausgereicht, falls er erst dort von der Denkweise der Christen berührt worden wäre. Wir werden es diesen Angaben gegenüber nicht glauben können, wenn Hermann zu Rupert äußert, daß die Christen die Juden verachteten^). Die Geistlichen — und die Juden standen hierin hinter den Christen nicht zurück^) — mochten auf der Kanzel und in Schriften solche Meinungen vertreten, die Masse wurde davon nicht berührt. Es war in dieser Beziehung noch ganz so, wie es zur Zeit der fränkischen Concilien und Agobards von Lyon gewesen war. Um dieser Angaben willen verdient die Schrift auch jetzt noch mit Interesse und Dank gelesen zu werden, Hermanns untergeordnete Persönlichkeit aber wird heute nicht mehr die warme Theilnahme erwecken können, die ihr die Zeitgenossen gewidmet haben. ^) Er hat anscheinend sogar nur um den Brief zu besorgen die Reise unternommen : ex äe! nara^ue äi3xen8ati0ne eiäeru ras elerieo HIaZUntiarQ leAationis 8nas ean8a xroLeiLcenti eontiZit in via. 8oeiarL, eax. 15, x. 827. b-) S. Cäsarius von Heisterbach äial. ruirae. 2, 25. HlaMuin, V08 enri8tiani, «suäaeiL xraeiuäieiuni iaeiti8, Hui 603 ae 8i ea.ne8 roortu08 6X86eranci0 et adnorrenäo eon8xuiti8, eax. 3 x. 810, S. Note 53. ss) S. oben Note 11, auch N.8. Güdemann S. 149.