Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 3
- Article
- Hermann der Prämonstratenser
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 229 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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I. Aronius, Hermann der Prämonstratenser. 229 den Juden zu verbergen, denn er hat es ja schon bei seiner Heirath erfahren, daß er ihren Drohungen nicht Stand halten kann, und er wird Mönch, eingestandenermaßen weil er nur hinter Klostermauern vor neuen Zweifeln sicher zu sein glaubt^). Daß ein Mann dieses Schlages ein sichtbares Zeichen für den zwingendsten Beweis hält und durchaus ein solches verlangt, versteht sich ganz von selbst. Erst als seine Bemühungen in dieser Hinsicht vergeblich bleiben, entschließt er sich, es auf dem Wege wissenschaftlicher Erörterung zu versuchen, ohne doch darum das Verlangen nach einer Bision oder etwas Aehnlichem auszugeben. Dieses Schwanken in der Methode ist die Quelle aller seiner Leiden. Er will zu gleicher Zeit naiv gläubig und kritisch sich verhalten, Offenbarung und wissenschaftliches Erkennen als gleichberechtigt vereinigen. Gerade durch diesen Zug wird uns Hermann besonders interessant, denn er erscheint hier als der echte Sohn seiner Zeit, in dessen Seele sich, ihm unbewußt, die die Zeit bewegenden Kämpfe wiederspiegeln 6°). Es waren die Tage, in denen Abälard den Versuch machte, das Wissen über den Glauben zu stellen, und damit das herrschende theologische System zu erschüttern. Auch Hermann ist gezwungen, sich mit den dadurch angeregten Fragen abzufinden, freilich, ohne daß er es weiß. Denn wenn er es ausspricht, daß er den Fehler begangen habe, das Wissen dem Glauben vorzuziehen 5'), so kann dieser Gedanke ihm erst später bei seinen Studien im Kloster gekommen sein, und wir werden diese Stelle mit zu denen rechnen müssen, in denen später gewonnene Anschauungen Einfluß auf Hermanns Auffassung des Erlebten geübt haben. Vorher hat er eine Ansicht über das Verhältnis von Wissen und Glauben sicher nicht gehabt, sonst hätte ihm die Entscheidung nicht so schwer werden können. Was hätte ihn auch zur Beschäftigung mit solchen Fragen veranlassen sollen? Die Streitschriften der Theologen konnte er nicht lesM und die Geistlichen, mit denen er verkehrte, werden sich mit dem noch Schwankenden nicht über ein so heikles Thema unterhalten haben. Hermanns eigene Anstrengungen aber konnten ihn nie zur Erkenntnis dessen führen, was seinen Wünschen im Wege stand, denn Klarheit und Schärfe des Denkens war nicht Sache eines Mannes, der sich bei Ruperts dürftigen Ausführungen beruhigen, der Richmars unlogische Formulirung der durch das Gottesurtheil zu entscheidenden Frage annehmen, der in Kappenberg so räsonniren konnte, wie unser Hermann. Es war unter diesen Umständen ein Ende des haltlosen Schwankens nicht abzusehen, als jener Geistliche die Aeußerung that von der Decke vor den Augen der Juden. Damit war Alles entschieden. Wenn Ueberzeugung auf dem Wege wissenschaftlicher Erkenntnis nicht möglich war, so blieb nur noch der durch innere Erleuchtung zu gewinnende Glaube übrig. Indem Hermann aus das Wissen verzichtet und sich auf den Glauben beschränkt, muß er gar bald zum Ziele kommen, und nun, da er gläubigen Herzens betet, wird ihm auch die Vision nicht länger versagt. Oben N. 26 und 37. 5") Hierauf hat Reuter hingewiesen. 5') Oben N. 24.