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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1888-01-01 · Heft 3 · p. Seite 228

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1888
Issue
Heft 3
Article
Hermann der Prämonstratenser
Date
1888-01-01
Page
Seite 228 (sequence 12)
Language
German
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228 I. Aronius, Hermann der Prämonstratenser. haben. Hat er bisher die Christen für schlechte Menschen gehalten, so genügt des einen Richmar Freundlichkeit, ihn nicht allein vom Gegentheil zu überzeugen, sondern sogleich für das Christenthum zu entflammen. Die oberflächlichen Beobachtungen, die er bei dem doch nur kurzen Aufenthalt in Kappenberg macht, sind hinreichend, seine Ruhe gründlich zu stören. Dabei ist keiner dieser Eindrücke von Dauer. In dem Gespräche mit Richmar ist es, als hätte er noch keine Predigt Ekberts gehört, und in Kappenberg giebt er sich wie ein Mann, den Richmars Verhalten in keiner Weise berührt hat und der nicht entfernt an einen Uebertritt zum Christenthum denkt. Freilich wird dann der Kappenberger Aufenthalt dadurch von nachhaltiger Wirkung, daß er ihn veranlaßt, Judenthum und Christenthum zu vergleichen und Zweifel am Judenthum in ihm erregt, aber zu ähnlichen Zweifeln hätten ihn doch auch schon Ekberts Predigten und der Verkehr mit Richmar führen müssen. Er scheint dann schon ganz vom Judenthum abgewandt, da sieht er die Freude der Juden über die Festsetzung des Hochzeitstages und sofort ist er überzeugt, daß der Entschluß, den ihm doch nur die Furcht abgezwungen hat, gut gewesen, ja, nach seiner eigenen Erklärung hat diese Freude der Juden mächtiger auf ihn gewirkt, als Schreck und Ängste). Vergessen ist Alles, was er bis dahin an Zweifeln, an Noch und Pein hat durchmachen müssen. Dafür übt später die Verfolgung der Juden und seine ihm wunderbar dünkende Rettung die entgegengesetzte Wirkung 46). Abhängig von den Meinungen Anderer, wie er ist, sucht er für seine Entschlüsse nach Vorbildern. Wie Paulus vom Himmel ein Zeichen erhielt, daß er sich bekehren solle, so verlangt er etwas Aehnliches. Er fastet, weil Daniel, nachdem er gefastet, mit einer Vision begnadigt wurde. Die Aengstlichkeit, die sich in diesem Verhalten zeigt, kann bis zu lächerlicher Kleinlichkeit gehen, wenn er in all der Roth seines Herzens sich noch mit der Frage quält, welche Art des Fastens die richtige sei, und bezeichnend ist sein Versuch, bei der Lösung dieser Frage es mit keiner der beiden Parteien zu verderben. Es zeigt sich aber hierin auch recht deutlich, wie Hermanns Gedanken sich weit mehr auf Kultussormen und gottesdienstliche Gebräuche, als aus den dogmatischen und moralischen Gehalt der Religionen richten. Gleich als er in Münster sich eingehender mit dem Christenthum beschäftigen will, fängt er damit an, sich die Kirche zu besehen und sich über die Verehrung der Christusbilder aufzuhalten. Hieraus bezieht sich die einzige Disputation, über die wir Genaueres erfahren, und es hängt mit dieser Richtung Hermanns zusammen, daß wir über sein inneres Verhältnis zum Judenthum wie zum Christenthum auch nicht ein Wort zu hören bekommen. Ein solches Verhältnis hat eben gar nicht bestanden. Es ist darum auch zu vermuthen, daß Hermann dem neuen Glauben nicht fester zugehört hat, als dem alten. Er ist sich übrigens seiner Schwäche selbst recht wohl bewußt und bemüht, sich gegen Eindrücke, die ihn in dem einmal gefaßten Entschlüsse wankend machen könnten, zu schützen. Er sucht seine Kirchenbesuche Oben N. 22. ^) Oben N. 29.

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