Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 3
- Article
- Hermann der Prämonstratenser
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 227 (sequence 11)
- Language
- German
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I. Aronius, Hermann der Prämonstrateuser. 227 Erinnerung sich verändert hätte. Spuren einer solchen Veränderung sind noch zu erkennen. So ist es sicher nicht die ursprüngliche Auffassung, wenn Hermann überall in seinen Erlebnissen Wunder oder Teufelswerk sieht. Die Disputation mit Rupert von Deutz, die lange Rede Ekberts über die Unzulässigkeit des Gottesurtheils und Aehnliches wird er schwerlich Jahre lang wortgetreu im Gedächtnis behalten haben. Es ist ferner unwahrscheinlich, daß er erst in Münster angefangen hat, sich mit dem Christenthum zu beschäftigen. Er ist schon als Knabe nachdenklich und in sich gekehrt, Träume suchen ihn heim und beschäftigen ihn angelegentlich Er erscheint von vornherein nicht fest im Judenthum, so daß sogar seine Angehörigen für nöthig erachten, ihm in der Person des Baruch eine Stütze oder vielmehr einen Aufpasser mitzugeben^). Muß man da nicht annehmen, daß er schon früh sich mit religiösen Fragen beschäftigt, also ohne Zweifel auch um das Christenthum sich bekümmert hat? Gerade in Köln ist freundlicher Verkehr von Geistlichen mit Juden in jener Zeit bezeugt ^). Wir dürfen geradezu vermuthen, daß Hermann mit Ekbert, der vor seiner Wahl zum Bischof Domdechant und Scholaster in Köln war^), schon vor dem Zusammentreffen in Mainz bekannt gewesen ist. Nur so erklärt sich, daß der Bischof in seiner Verlegenheit sich gerade an Hermann wendet und daß dieser ihm unbegrenztes Vertrauen schenkt, während doch nach der Ansicht semer Verwandten und Freunde auch das bischöfliche Amt keinen Anspruch auf unbedingten Credit gewährte. Nur aus längerer Bekanntschaft erklärt sich ferner, daß Ekbert offenbar von vornherein hofft, Hermann gewinnen zu können, und daß sein ganzes Verhalten eine sehr genaue Kenntnis von Hermanns Charakter zeigt, wie noch zu erörtern sein wird. Es ist freilich nicht ausgeschlossen, daß Hermann all dieses absichtlich übergangen hat. Der erbauliche Zweck ist ihm so sehr die Hauptsache, daß er auch sonst alles, was nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit seiner Bekehrung steht, kürzer abhandelt, als uns heute erwünscht ist. Jedenfalls ist trotzdem an der Glaubwürdigkeit seines Berichtes nicht zu zweifeln, insbesondere kann von absichtlicher Entstellung bei Hermanns Einfachheit und Ehrlichkeit keine Rede sein, und so dürfen wir wohl versuchen, auf Grund dieses Berichts Hermanns Verhalten zu verstehen. Durchgehends zeigt er eine gewisse Unreife des Charakters und des Geistes; er ist allen Einflüssen, allen äußeren Eindrücken widerstandslos preisgegeben, und wie ihm Selbständigkeit des Handelns fehlt, so Klarheit des Denkens. Wenn Bischof Ekbert ihm das alte Testament in anderer Weise erklärt, als er es gewöhnt ist, so ist er von dieser neuen Methode tief ergriffen, ohne daß er jemals daran denkt, die Berechtigung derselben gegenüber der ihm bisher allein bekannten zu prüfen^). Er macht sie sich sofort zu eigen und weiß sie in Kappenberg schon recht gut selber zu handeax.1, x.807, eax.20 und 21 x.833. Baruch benimmt sich durchaus als solcher, s. N. 9. ") 6sst. abdat. I'ruäon. XI, 16. Nou. 6eria. 88.10, 304. Sbdas. XI, 15, 83. 10, 304. 4v) Allegorische Auslegungen werden bei den Juden erst im 13. Jahrhundert üblich, Güdemann S. 164 ff.