Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 3
- Article
- Hermann der Prämonstratenser
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 225 (sequence 9)
- Language
- German
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I. Aronius, Hermann der Prämonstratenser. 225 Knecht mit Pferden warten sollte. Aber obgleich er die Straßen genau kannte, vermochte er das richtige Thor nicht zu finden. Stundenlang irrte er durch die Stadt, der Knabe weinte vor Müdigkeit und konnte nicht mehr gehen, so daß ihn Hermann trotz des Gelächters der Christen, die ihn sahen2t), tragen mußte. Das dauerte so lange, bis er endlich sich bekreuzigte. Dieses Mittel half, er fand das Thor, an dem er schon oft vorbeigegangen war, und vor demselben den Knecht mit den Pferden. Kaum hatte er die Stadt verlassen, als Kölner Juden zu Schiff eintrafen und berichteten, daß Hermann Geld und Bücher bei den Christen in Köln versteckt habe und zum Christenthum übertreten wolle ^). Die Mutter des entführten Knaben, die ganz unbesorgt gewesen war, ließ nunmehr Hermann suchen, aber natürlich vergebens. Halb wahnsinnig vor Schmerz und Angst eilt sie zu den höchsten Beamten der Stadt und klagt Hermann der Entführung ihres Kindes an. Jene entsenden sofort Boten, um ihn zu ergreifen^), aber Hermann war schon in Sicherheit. Er war noch am Abend zum Kloster Welanheim gelangt und dort, nachdem er sich den Mönchen entdeckt hatte, auf's Freundlichste aufgenommen worden. Man saß noch bei Tafel, als einer der aus Mainz abgesandten Boten eintraf. Der Pförtner war so einfältig, Hermanns Anwesenheit zu verrathen und dieser mußte fliehen, um den Mönchen Unannehmlichkeiten zu ersparen, jedoch ließ er ihnen seinen Bruder, damit sie ihn im Christenthum unterrichteten 24). Er selbst begab sich nach Kloster Ravengiersburg, wurde dort mit Jubel begrüßt und am 30. October unter die Katechumenen aufgenommen. Wenige Tage vor seiner Taufe wurde ihm auch noch die so lange vergeblich erflehte Vision zutheil. Die Taufe selbst erfolgte in Gegenwart des gesammten Klerus von Köln in der Peterskirche, nicht ohne einige Schwierigkeit, da man vergessen hatte, Hermann zu sagen, daß er drei Mal untertauchen müsse ^). Er wollte sich, da ihm das Wasser zu kalt war, mit einmaligem Untertauchen begnügen, und glaubte, daß die Geistlichen, die ihn noch nicht aus dem Wasser gehen lassen wollten, sich einen Scherz mit ihm erlaubten, erst freundliches Zureden stimmte ihn um^). Unter Huoä multi viäentes velut iatuuin ins äori8erunt ekristiani, eax. 17, x. 829. Da, hiernach zu schließen, einzelne Theile der Stadt nur von Christen bewohnt werden, so darf man vermuthen, daß es damals in Mainz schon ein besonderes Iudenviertel gab. s-) eax. 17, x. 829. l'ota. xras nimistate äo1ori8 velut in8ana eKeeta aä xrünos eivltatis amarlssimo cum eiulatu eueurrit, smiui 8id! Llium kurtive 8udrsxtuui luZndri voee proelama-QL. Hui xrotinu8 comprsnenäenäum vis nuntio8 Äe^inAverunt, cax. 17, x. 829. Die xrwii eiv!tati8 sind wohl die sonst okkeiati genannten Beamten, Hegel: Verfafsungsge^ch. von Mainz S. 34, falls nicht der Ausdruck, wie Herr Prof. Vreßlau bemerkt, auch hier wie oft die Patrizier bezeichnet. 34) cax. 17, x. 830. Den Bruder erwähnt Hermann nicht weiter. 35) Eines der letzten Beispiele für die Taufe durch Untertauchen. 26) Die Taufe wird wohl in das Jahr 1128 fallen. Fünf Monate war Hermann in Münster, drei Monate dauerte seine Ehe, für die Zeit des Schwankens und Zweifelns und die vielfachen Reisen find sicher einige Monate anzusetzen, so daß das Ganze reichlich ein Jahr gedauert haben wird. Ich nehme nun an, daß Ekberts Aufenthalt in Mainz mit seiner Ernennung zum Bischof zusammenhängt, die in das