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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1888-01-01 · Heft 3 · p. Seite 224

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1888
Issue
Heft 3
Article
Hermann der Prämonstratenser
Date
1888-01-01
Page
Seite 224 (sequence 8)
Language
German
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224 I. Aronius, Hermann der Prä'monstratenser. Bruder von demselben Vater, aber von einer anderen Mutter; diesen zugleich mit sich taufen zu lassen, war sein glühendster Wunsch^). Inzwischen war den Juden aufgefallen, daß Hermann in der Synagoge fehlte. Sie ließen ihn nunmehr aus Schritt und Tritt beobachten und erfuhren bald, daß er nicht mehr in die Synagoge kam, weil er die Kirchen besuchte. Von grenzenloser Wuth gepackt, hätten sie ihn ohne Scheu mit eigenen Händen gesteinigt, wenn sie nur Gelegenheit dazu gehabt hätten. Was sie aber selbst nicht thun konnten, wollten sie durch Andere besorgen lassen. Sie hatten erfahren, daß Hermann nach Mainz reisen wollte, und sandten den dortigen Juden durch Volquin, den Kaplan der Königin Richenza, einen Brief in hebräischer Sprache, worin sie sie aufforderten, Hermann als einen Abtrünnigen zu ergreifen und nach der Strenge des Gesetzes zu bestrafen^). Volquin und Hermann trafen unterwegs zusammen. Man spricht von dem und jenem, man fragt woher und wohin, und so erfährt Hermann, daß jener eine geheime Botschaft an seine Verwandten in Mainz überbringt. Er ist über die Bedeutung derselben keinen Augenblick im Zweifel, und nachdem er Volquin vorgestellt, daß er sich zum Mitschuldigen eines Verbrechens mache, gelingt es ihm, wenn auch erst nach vielen Bitten und Drohungen, jenen zur Auslieferung des Briefes zu bewegen, den er sofort vernichtet. Dieser Borfall entflammte ihn so für den neuen Glauben, daß er frei von seiner bisherigen Aengstlichkeit sogar den Juden das Christenthum zu predigen wagte ^). Nach Worms nämlich, wo er einen Bruder namens Samuel hatte, kam er gerade an dem Tage, an welchem sich die Juden in der Synagoge zu versammeln Pflegten, und traf sie dort bei dem Studium der Commentare des Gamalie! über das alte Testament ^o). Er begann sofort mit ihnen zu disputiren, und geübt wie wenige, besiegte er seine Gegner, unter denen sein Bruder Samuel und der Archishnagoge David hervorragten, vollständig, namentlich durch Anwendung der allegorischen Auslegung. Die Juden, nicht wenig erstaunt, in einem Glaubensgenossen einen so gefährlichen Gegner zu finden, fragten schließlich, ob er wirklich so dächte, wie er gesprochen, und waren offenbar geneigt, ihn für einen Abtrünnigen zu halten und auch entsprechend zu behandeln. Hermann zog es vor einzulenken, um nicht an der Entführung seines Bruders in Mainz gehindert zu werden. Er erklärte, daß er die Juden nur mit den gewöhnlichen Argumenten der Christen, die er bei vielfachen Disputationen kennen gelernt, habe bekannt machen wollen, damit sie für die Zukunft um so besser gerüstet seien. Die Wormser Juden waren harmlos genug, sich, dabei zu beruhigen. In Mainz hatte er keine Schwierigkeit, den Bruder heimlich aus dem Hause der Mutter zu entfernen. Aus Furcht vor den Juden wollte er ihn auch unbemerkt aus der Stadt an einen bestimmten Platz bringen, wo ein cax. 14, x. 826. cax. 14, x. 827. 29) cax. 16, x. 828. so) a. a. O.

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