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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1888-01-01 · Heft 3 · p. Seite 223

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1888
Issue
Heft 3
Article
Hermann der Prämonstratenser
Date
1888-01-01
Page
Seite 223 (sequence 7)
Language
German
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I. Aromus, Hermann der Prämonstratenser. 333 um der Freuden dieser Welt willen sich von Gott abgewandt hatte, ein schwereres Verbrechen gab es nicht. Um es zu sühnen beschloß er, alle Sorge um das Irdische abzustreifen, Frau und Haus zu vernachlässigen und nur noch Gott zu leben. Noch schlummerte in seiner Seele der alte Zweifel über Judenthum und Christenthum, die Lösung desselben mußte jetzt die erste und einzige Aufgabe sein. Er erneuerte die Disputationen, aber wie konnte er dabei das Ziel erreichen, da er in verkehrter Ordnung durch das Wissen zum Glauben gelangen wollte statt umgekehrt^). Vergeblich disputirte er ohne Unterlaß, bis endlich einmal ein dabei anwesender Geistlicher, der die Geduld verlor, ausrief, man wisse ja aus dem Zeugnis des Apostels, daß die Juden eine Decke vor der Seele hätten, da müsse alle Mühe umsonst sein. Dieses Wort traf Hermann schwer. Wenn wirklich die Juden wie einst das Antlitz Mösts so den wahren Sinn des Gesetzes nicht in voller Klarheit zu erkennen vermochten, so war ja all sein Ringen aussichtslos. In seiner Noch machte er das Zeichen des Kreuzes, von dessen Wirkung ihm die Christen viel erzählt hatten, aber dann packte ihn wieder die furchtbarste Angst, daß er sich einer Sünde schuldig gemacht habe, denn es war ja den Juden ausdrücklich verboten, die Gebräuche der Heiden nachzuahmen. Er überwand zwar dieses Bedenken, aber so oft er nun auch jenes Zeichen wiederholte, der Erfolg blieb aus. In hoffnungsloser Verzweiflung irrte er umher. Er war nicht Jude und war nicht Christ; wenn ihn jetzt ein plötzlicher Tod dahinraffte, so war ihm das Himmelreich unter allen Umständen verschlossen. In seiner Seele tobte der heftigste Sturm, aber je länger um so mehr leuchtete ihm als der zuverlässigste Leitstern die Barmherzigkeit Gottes daraus hervor. Er erneuerte seine heißen Gebete, und durch Gottes Eingebung erkennend, daß, wie der sündige Diener die Gnade des Herrn nur durch einen Fürsprecher erlangt, so auch er der Vermittlung der Kirche bedürfe, wandte er sich an zwei fromme Schwestern, Bertha und Glizmuth, die als Klausnerinnen beim Moritzkloster in Köln lebten. Unermüdlich beteten sie für ihn und nunmehr endlich wurde ihm die ersehnte Gnade zutheil. In seiner Seele wurde es hell, die Wahrheit des Christenglaubens wurde ihm geoffenbart, die Zweifel waren verschwunden, alle Qual hatte ein Ende 25). Die demüthige Bitte der einfachen Frauen hatte bewirkt, was dem Scharfsinn und den Kenntnissen der Geistlichen nicht gelungen war. Hatte er früher die Kirchen aus Neugier besucht, so that er es jetzt aus wahrer Frömmigkeit. Den ganzen Tag widmete er dem Kirchenbesuch, in seinem Hause war er kaum noch anzutreffen. Dabei war er ängstlich bemüht, sein Treiben vor den Juden geheim zu halten, denn schwach im Glauben, wie er noch war, fürchtete er, daß er ihren Verfolgungen nicht Stand halten würde 2«). Das hinderte ihn jedoch nicht, seinerseits schon an Bekehrung Anderer zu denken. Er hatte in Mainz einen siebenjährigen eax. 11, x. 823. 2Y cax. 12, x>. 826. 2«) cax. 13, x. 826.

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