Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 3
- Article
- Hermann der Prämonstratenser
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 222 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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222 I. Aronius, Hermann der Prä'monstratenser. hinderte das, seine Eitelkeit erlaubte nicht, daß er, der unter den Juden für einen guten Kenner des Gesetzes galt, sich vor Darlegungen beugte, die die Juden als Ammenmärchen bezeichneten. So bemühten sich jene vergeblich, ihm zu beweisen, daß die messianischen Stellen des alten Testaments sich auf Christus bezögen, er wußte durch Festhalten an der wörtlichen Bedeutung oder durch dialektische Künste einer offenkundigen Niederlage zu entgehen, aber was ihm bewiesen schien, bewahrte er trotzdem dankbar im Gedächtnisse auf. Er hoffte, aus dem einen oder dem anderen Wege allmählich doch zu einer Entscheidung zu gelangen. Da trat ein Hindernis ein, an das er gar nicht gedacht hatte. Der Jude Alexander, mit dessen Tochter er verlobt war, verlangte, daß er den Hochzeitstag bestimmen solle. Aber Hermann, der noch zwischen Judenthum und Christenthum schwankte, fürchtete, daß die Sorge für den Hausstand ihm nicht mehr Zeit zu seinen täglichen Disputationen lassen würde und suchte daher Frist zu gewinnen. Er erklärte, gegenwärtig könne er Alexanders Wünschen nicht nachkommen, da er im Begriff sei, Studien halber nach Frankreich zu reisen^). Alexander antwortete erst mit freundlichem Zureden, dann mit Drohungen, und als alles nichts half, mit einer Anzeige bei der Judenschast, indem er den Vorfall als einen Beweis für die Verderblichkeit des Verkehrs mit den Christen hinstellte^). Dadurch wurde wohl der von Baruch erregte Verdacht gegen Hermann bei den Juden wieder rege, sie nahmen die Sache sehr ernst, sprachen offen aus, daß sie den Uebertritt zum Christenthum für den eigentlichen Zweck dieser Reise hielten, und ließen ihm schließlich nur die Wahl zwischen Hochzeit oder Ausschluß aus der Synagoge 2 <>). Hermann erschrak, sein Seelenheil schien bedroht. Denn er war noch kein Christ, was sollte also aus ihm werden, wenn ihn die Juden von sich stießen. Er hielt es unter diesen Umständen für sicherer, bei dem Glauben zu beharren, in dem er aufgewachsen war, als sich einem neuen anzuschließen, von dessen Wahrheit ihn weder Zeichen noch Vernunftgründe überzeugt hatten, und wenn er wirklich in seiner Unwissenheit dabei irrte, so glaubte er leicht bei dem ewigen Richter Verzeihung erlangen zu können^). Er setzte den Hochzeitstag fest, und wenn ihm nur die Angst diesen Entschluß abgerungen hatte, so bestärkte ihn jetzt darin die herzliche Freude, die die Juden bezeigten 22). Die mahnenden und tadelnden Reden der ihm befreundeten Christen, die zahlreich bei der Hochzeit erschienen^), verhallten wirkungslos und das neue Leben, das nun für Hermann begann, nahm ihm Herz und Sinn so vollständig gefangen, daß die ernsten Fragen, die ihn bis dahin beschäftigt hatten, ganz zurücktraten. So verbrachte er drei Monate wie in tiefem geistigem Schlafe. Das Erwachen war nicht beneidenswerth. Es fiel ihm schwer auf's Herz, daß er ts) eax. 10, x>. 821. tv) a. a. O. 20) a. a. O. 22) a. a. O. 22) eax.10, x.L22. -2) a. a. O.