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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1888-01-01 · Heft 3 · p. Seite 221

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1888
Issue
Heft 3
Article
Hermann der Prämonstratenser
Date
1888-01-01
Page
Seite 221 (sequence 5)
Language
German
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I. Aronius, Hermann der Prä'monstratenser. 221 fallen sein sollten. Wenn aber somit gerade die eifrigsten Christen auf dem rechten Wege waren, wie stand es dann mit dem Judenthum und seinen dem Christenthum widersprechenden Lehren? Mit diesen Erwägungen war dem Zweifel in Hermanns Seele Thür und Thor geöffnet. Er überlegte, daß Gott nicht die Christen so mächtig auf der ganzen Erde hätte werden lassen und die Juden nicht von Haus und Heimath fort unter alle Völker zerstreut hätte, wenn er das Christenthum verabscheute und dagegen das starre Festhalten an den jüdischen Gebräuchen wünschte. In dieser Roth wußte Hermann keinen Ausweg, bis er sich der Erzählungen der Christen erinnerte, wie auch der Apostel Paulus durch Gottes Gnade allein bekehrt worden war. So flehte er denn mit heißen Thränen zu Gott, daß er ihm durch Offenbarung, oder durch eine Vision, oder, was er für das Wirksamste hielt"), durch ein sichtbares Zeichen enthüllen möge, ob das Christenthum der wahre Glaube sei. In dieser Stimmung kehrte er, nachdem Ekbert seine Schuld bezahlt hatte, zu Ostern nach Köln zurück. Baruch erhob dort, wie er ihm angedroht hatte, Anklage gegen ihn wegen seines allzu engen Verkehrs mit den Christen und beschuldigte ihn, daß er eigentlich schon ein Christ und nur äußerlich noch Jude sei ^), aber nach vierzehn Tagen war Baruch eine Leiche. Hermann erneuerte, hierdurch in seinem Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit gestärkt, seine Gebete um eine Vision und gelobte dafür ein dreitägiges Fasten nach dem Beispiele Daniels. Freilich entstanden nun wieder Zweifel, ob die christliche oder die jüdische Art des Fastens die richtige sei, doch half er sich hier dadurch, daß er beide vereinigend den Tag über fastete und des Abends auch nur Wasser und Brod zu sich nahm, aber kein Fleisch. Er war der freudigsten Hoffnungen voll, aber obgleich er das Fasten am zweiten Tage noch verschärfte, wollte sich die ersehnte Vision nicht einstellen. Zu dem unsäglichen Schmerze, der Hermann ergriff, gesellte sich noch die Kränkung. Die Juden, die durch Baruchs Anklage in ihrem Vertrauen zu ihm doch etwas erschüttert waren und denen das ungewöhnliche Fasten ausfiel, glaubten, daß Hermann während seines Aufenthalts unter den Christen ein Verbrechen begangen habe, das er auf diese Art sühnen wolle ^). Hermann, der immer vorwurfsfrei gelebt hatte, vermochte diesen Verdacht kaum zu ertragen, bis ihn der Gedanke tröstete, daß Gott die Menschen, denen er Großes zugedacht, prüfe. So erneuerte er denn, unbekümmert um jeden Verdacht, seine Gebete, zugleich aber schien es ihm gut, noch einen anderen Weg zu versuchen, nämlich sich mit des alten Testaments kundigen Geistlichen zu besprechen, damit sie durch unzweideutige Zeugnisse des Gesetzes und der Propheten ihn überzeugten. Täglich suchte er diese Männer auf, und als sie erkannten, daß ihn nicht Disputirsucht, sondern das Streben nach Wahrheit zu ihnen führte, boten sie alles auf, um seine Wünsche zu erfüllen ^). Aber Hermann selbst ver- ") eax. 6, x. 817. '5) cax. 7. x.818. eax. 8, x. 819. '-) eax. 9, x. 820.

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