Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 3
- Article
- Hermann der Prämonstratenser
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 220 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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220 I. Aronius, Hermann der Prämonstratenser. seinerseits, der ja wohl die Wandlung in Hermanns Seele erkannt haben wird, ließ nicht nach, ihm immer aufs Neue Freundlichkeiten zu erweisen, und suchte ihn durch gütiges Zureden und eifrige Ermahnungen dem Christenthum zuzuführen. Aber bald bemerkte er, daß er auf diesem Wege nicht zum Ziele kommen würde, und da er glaubte, daß Hermann ein sichtbares Zeichen verlange, so bot er ihm an, das Gottesurtheil des heißen Eisens entscheiden zu lassen. Wenn er, Richmar, unverletzt bleibe, so solle Hermann gläubig sich zur Taufe entschließen, im anderen Falle aber bleibe ihm überlassen, was er thun wolle. Gern ging Hermann auf den Vorschlag ein, aber leider versagte Ekbert seine Genehmigung. Mari dürfe Gott nicht versuchen, müsse vielmehr beten, daß er in seiner unendlichen Barmherzigkeit die Bande des Unglaubens lösen möge, wann und wie es ihm gefalle. Es sei ihm ein Leichtes, auch ohne Wunder zu bekehren, wen er wolle, und unnütz sei das außen sichtbare Zeichen, wenn Gott nicht unsichtbar im Herzen des Menschen th'ätig sei. Daher seien viele auch ohne Zeichen bekehrt worden, zahllose aber nach einem Wunder ungläubig geblieben. Der Glaube, der nur auf der überredenden Kraft eines Wunders beruhe, sei ohne alles Verdienst, derjenige aber, der auf der Frömmigkeit und Einfalt des Herzens beruhe, gereiche vor Gott zum herrlichsten Verdienste und höchsten Lobe. Das Gottesurtheil unterblieb, aber dafür trat etwas Anderes ein, das von kaum geringerer Wirkung auf Hermann war. In der Erwartung, sein Geld wiederzuerhalten, ging er dem Bischof nicht von der Seite und begleitete ihn sogar auf seinen Jnspectionsreisen durch das Bisthum ^). So kam er auch einmal in das Kloster Kappenberg. Dort sieht er eine Anzahl Männer, verschieden nach Abkunft und Stamm, und es scheint ihm hier das Wort des Propheten erfüllt zu sein von dem Kalbe, dem Löwen und dem Schafe, die ein kleiner Knabe mit einander auf die Weide treiben wird. Friedlich leben hier bei einander Kluge und Th'örichte, Starke und Schwache, Vornehme und Geringe, und der Mann, dem diese alle gleichmäßig untergeben waren, schien in der Frömmigkeit seines Herzens einem Kinde vergleichbar. So sehr aber Hermann auch die Demuth dieser Mönche bewunderte, so schienen sie ihm auf der anderen Seite doch beklagenswerth. Da war nun eine Anzahl vortrefflicher Männer, die ausschließlich dem einen Zwecke lebten, dem Herrn zu dienen, die um dieses Zweckes willen allen Freuden der Welt entsagt hatten, die sich freiwilliger Dürftigkeit unterwarfen und ihre Zeit mit unablässigen Gebeten und Kasteiungen ausfüllten. Aber konnten sie ihr Ziel erreichen, da ihnen doch der rechte Glaube fehlte? Nein, ihnen war vielmehr zu aller Qual, der sie auf dieser Welt sich unterzogen, noch die ewige Verdammnis gewiß. Aber hieß es wiederum nicht Gottes Güte anzweifeln, wenn man annahm, daß er gerade seine treuesten Diener, die ihn von ganzem Herzen suchten, dem Jrrthum überlassen könne? Widersprach das nicht allem, was das alte Testament zu erzählen wußte von Gottes Barmherzigkeit gegen die Sünder selbst nach nur kurzer Buße? Es war nicht denkbar, daß diese Männer, die ohne Unterlaß Buße thaten, dem ewigen Tode vereax. 6, x. 815.