Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 3
- Article
- Hermann der Prämonstratenser
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 219 (sequence 3)
- Language
- German
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I. Aronius, Hermann der Prämonstratenser. 219 Annahme beruhigen, der Zweifel an dem, was ihm gelehrt worden, ist erwacht, und er kann nun nicht ablassen, bis die Fragen, die ihn beschäftigen, beantwortet sind. Vergebens droht Baruch, der Hermanns häufige Kirchenbesuche bemerkt hat, daß er in Köln von dieser albernen und unerlaubten Neugier berichten werde^). Hermann kehrt sich nicht daran, und als Gast des Bischofs aller Arbeit überhoben, verwendet er seine Zeit nur noch aus die Befriedigung seiner Neugier. Oft besucht er auch die Domschule, er erhält von den Geistlichen dort Bücher, und indem er zu Aller Erstaunen ohne Lehrer die Buchstaben zu Silben und diese zu Wörtern zusammenfügen lernt, bringt er es in kurzer Frist so weit, daß er die Schrift lesen kann. Inzwischen hatte er die Frage von der Bedeutung der Christusbilder und der Zulässigkeit ihrer Verehrung nicht aus den Augen verloren und es traf sich glücklich für ihn, daß gerade damals sich der gelehrte Abt Rupert von Deutz in Münster aufhielt. Wenn einer, so war dies der Mann, der ihm die ersehnte Antwort mußte geben können. Rupert ging ohne Zögern auf die angebotene Disputation ein, Hermann brachte seine Zweifel vor und erfuhr, daß die Christen nicht sowohl die Bilder, als vielmehr in ihnen das Leiden Christi verehrten. Dies sei ihre Bedeutung im Allgemeinen, außerdem aber seien sie noch im Besonderen dazu bestimmt, dem Bedürfnis der Masse zu genügen, damit diejenigen, die das Leiden des Herrn nicht zu lesen vermöchten, es wenigstens im Bilde schauen könnten ^). Es sei dies nicht anders, als wenn nach der Erzählung des alten Testaments die Stämme Rüben und Gad und der halbe Stamm Manasse einen besonderen Altar errichteten, obgleich doch Gott befohlen hatte, daß alle Stämme nur aus einem Altare opfern sollten. Wie dieser Altar nicht zum Opfern bestimmt war, sondern nur ein Zeichen des Bundes zwischen jenen Stämmen und den übrigen sein sollte, so sei auch das Kruzifix nur das Zeichen, daß durch Christi Kreuzestod den Christen das Himmelreich erworben sei. Hermann war durch diese Erklärung beruhigt, Alles, was die Wirkung von Ekberts Predigten beeinträchtigt hatte, war verschwunden. Da saß er eines Tages bei Ekberts Haushofmeister Richmar, als diesem der Bischof kostbare Speisen von seiner Tafel schickte. Richmar aber bot dieselben seinem Gaste an, während er selbst, wie er es gewöhnt war, sich mit Brod und Wasser begnügte. Hermann war erfreut und erstaunt zugleich. So gütig und wohlwollend erwies sich gegen ihn ein Mann, dem er als ein Feind seines Glaubens und daher mehr des Hasses als der Liebe würdig erscheinen mußte, und den er für einen Menschen ohne Gott und Glauben gehalten hatte"). Es war ihm, als ob er von einem schweren Jrrthum erlöst wäre und er gesteht, daß dieser ihn überraschende und rührende Vorfall ihm ein starker Antrieb zur Bekehrung geworden ist^). Richmar y eax. 2. x. 809. 50) Od trss autsm eau8A8 üt xietura: xriino <M3. est laieoruni lltteratura, sagt um dieselbe Zeit Nonorius ^uZuLtoäun. Asmina. aniniae 1, 132, NIZns 173, 586. S. Specht: Gesch. des Unterrichtswesens in Deutschland S.230. ") eax. 5, x. 813. a. O. 15*