Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 3
- Article
- Hermann der Prämonstratenser
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 218 (sequence 2)
- Language
- German
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218 I. Aronius, Hermann der Pra'monstratenser. damals König Lothar auf und bei ihm Bischof Ekbert von Münster, der wohl eben erst zu dieser Würde ernannt worden war. Der König mochte daher manches mit ihm zu besprechen haben, aber durch die Reichsgeschäfte in Anspruch genommen, kam er nicht dazu und Ekbert, der auf einen längeren Aufenthalt in Mainz nicht eingerichtet war, gerieth in Geldverlegenheit. Da wandte er sich an Hermann und erhielt nicht nur von ihm ein Darlehen, sondern er erhielt es sogar ohne Pfand, während sonst die Juden stets ein Pfand vom doppelten Werthe des Darlehns zu nehmen pflegten ^). Begreiflich, daß Hermann bei der Heimkehr harte Worte zu hören bekam. Wie leichtsinnig von ihm, Geld ohne Pfand auszuleihen, noch dazu an einen so hochgestellten Mann, der bei der Fülle seiner Geschäfte gar leicht die kleine Geldangelegenheit vergessen konnte. Verwandte und Freunde riethen ihm, nach Münster zu reisen und den Bischof nicht zu verlassen, bis die ganze Schuld bezahlt wäre. Man gab ihm, damit nicht der Aufenthalt unter den Christen ihn dem Judenthum entfremdete, einen gewissen Baruch zum Begleiter 7), woraus geschlossen werden darf, daß in Münster damals noch keine Inden waren. Dort angelangt stellte Hermann dem Bischof vor, daß er ohne das Geld nicht wagen dürfe, seinen Angehörigen vor die Augen zu kommen, aber Ekbert hatte kein Geld und es dauerte nahezu zwanzig Wochen, ehe er Hermann entließ. Mehr aus Neugier als aus irgend einem bestimmten Grunde benutzte dieser seine unfreiwillige Muße, um die Kirchen zu besuchen und Ekberts Predigten zu hören. Die Art, wie Ekbert das alte und das neue Testament in Einklang zu setzen wußte, die allegorische Texteserklärung, deren er sich bediente, machten sogleich den tiefsten Eindruck auf Hermann. Die ihm wohlbekannten Stellen des alten Testaments, die Ekbert behandelt hatte, erschienen ihm plötzlich in einem ganz anderen Lichte; hatte doch der Bischof ausdrücklich hervorgehoben, daß die Juden wie unvernünftige Thiere am Worte klebten, während die Christen, wie es vernunftbegabten Menschen ziemt, den verborgenen Sinn zu erfassen suchten. Aeußerungen dieser Art mußten Hermann die nachhaltigste Anregung geben, sich mit dem Christenthum zu beschäftigen, denn das ganze Gebäude der Anschauungen, in denen er bis dahin gelebt hatte, kam dadurch ins Wanken. Dazu nun die Gespräche mit den Christen, die, erstaunt, daß ein Jude der aufmerksamste Zuhörer ihres Bischofs war, ihn befragten, wie ihm die Predigten gefielen und ihn, da er im ganzen mit deren Inhalt einverstanden schien, mit herzlichen und eifrigen Ermahnungen, sich ihrer Gemeinschaft anzuschließen, bestürmten. Als er unter dem Eindruck solcher Gespräche sich entschloß, sich doch über den christlichen Gottesdienst genauer zu unterrichten, bemerkt er die zahlreichen Kruzifixe und Christusbilder in der Kirche. Im ersten Schrecken darüber glaubt er, daß diese Bilder nichts Anderes seien, als die Götzenbilder der Heiden, wie man ihm dies früher eingeredet hatte 6). Aber jetzt kann er sich nicht mehr bei dieser 6) Nulluni tamen ad eo, yuoä ^uZasoruni nw3 exiZedat, vaäimoniuiu aeeexi ete. euui etiaiu notiZLiraa. ^uäasoruin consuetuäins cluxlo vZ3.i0ri8 xretü xiZnus exeZisss äedueriw, eax. 2. F. 807 5. eax.2, p.808. s) eax. 2, p. 809.