Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Journal
- Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Volume
- XV (1911)
- Issue
- 3 (Mai-Juni 1911)
- Date
- 1911-05-01
- Page
- Seite 81 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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(offenbar weil der Einsender ein Sefardi war) reranlasste, sieh aü den gelehrten Leo Modena mit der Bitte um eine schriftliche Widerlegung zu wenden. In seinem an die Vorsteher der Hamburger Gemeinde gerichteten Antwortschreiben (BriefsammlungN.156) ist nun von jenem Ketzer näher die Rede מק ואפיקורס גמור, der gegen die mündliche Ueberlieferung und die Lehren der Weisen -Irriges und Irreführendes ausgesprochen und seine zahlreichen Ängriffe und Einwände (תפיסות והשגות) in einer besonderen Schrift (בכתכ) nach Venedig geschickt habe, von wo aus ihm als Erwiderung eine wahrheitsgemässe Widerlegung zugesandt worden sei. Ich vermute in dem ungenannten Ketzer den damals in Hamburg wohnenden Uriel da Costa. Die Schrift des Zweiflers, die hier , erwähnt wird, scheint mit dem Buche identisch zu sein, wovon da Costa in seinem Exemplar sagt:, deliberavi librum scribere, in quo justitiam causae meae ostenderem et aperte probarem ex ipsa lege vanitatem eorum, quae Pharisaei tradunt et Observant. Leo Modena schreibt weiter an die Hamburger Gemeindevorsteher: Wenn der Ketzer sich bei dieser wahrhaftigen und guten Widerlegung seiner Ansichten b$- ruhigen und der Wahrheit durch Widerruf die Ehre geben wollte, Wäre es gut so. Würde er aber in seiner Auflehnung und Hartnäckigkeit weiter verharren, so soll bereits von jetzt ab im Hamen des Venediger Rabbinats der strenge Bann gegen ihn und seine Anhänger in1 Kraft treten und der Hamburger Vorstand diessn Bann in der Synagoge bekanntmachen. Der feierliche strenge Ernst dieses Schreibens beweist, dass es sich hier nicht um einen wenig bedeutenden, sondern einen sehr ernsten Fall, um eine wichtige Person gehandelt hat. Dass der Bann über ihn sowohl in Hamburg als auch in Venedig tatsächlich ausgesprochen worden ist, halte ich für erwiesen. Dass die Schrift des Ketzers auch in der Gemeinde Venedig nicht ohne Wirkung geblieben ist und zu strengen Gegenmassregeln geführt hat, ist aus der von Blau (Briefwechsel, deutscher T. 95 ff.) glücklich hier herangezogenen Kundmachung v. J. 16i8 gegen die Bekämpfer des Talmud deutlich zu ersehen. Modena nennt den Ketzer einen Sadducäer צדוקי ביתוסי או קראי. Damit stimmt überein, dass Uriel da Costa bei Juden und Christen in der Tat als Sadducäer angesehen und angesprochen worden ist. Hatte er doch selbst in seinen Schriften grundsätzlich die Rabbiner als Pharisäer und die rabbinische Tradition als pharisäische bezeichnet. Auch das Buch von Menasseh Ben-Israel, De Resurrectione Mortuorum libri III . . . contra Zaducaeos ist ohne Zweifel durch da Costa’s Angriffe gegen den Unsterblichkeitsglauben veranlasst worden, wie der Schluss der Widmung beweist: Atque huc universa primi libri opera tendit, ut cuncti intelligent, in doctrina hac tarn necessaria 6,