Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Journal
- Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Volume
- XV (1911)
- Issue
- 3 (Mai-Juni 1911)
- Date
- 1911-05-01
- Page
- Seite 78 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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78 Yerf. Palästina an, seine heutige Form aber hat das Gebet durch eine Ueberarbeitung in Babylonien erhalten (S. 24). Zeitlich gehen die Anfänge des Kaddisch in die vorchristliche Periode zurück, wie die Entlehnungen im Vaterunser zeigen. (Vergl S. Ulf). Der Verf. denkt freilich an essäischen Ursprung (S. 28), wofür er kaum einen Beleg wird finden können. Den grössten Teil der Abhandlung nimmt die Einzelerklärung ein. Jedes Wort und jeder Satz werden zunächst textkritisch nach * einer Reihe von Handschriften und den verschiedensten Riten festgestellt, sodann orthographisch und grammatisch genau untersucht, nach ihren literarischen Beziehungen, Parallelen in Bibel; Talmud und Midrasch sowie in den * Evangelien erklärt (S. 24—77). Dabei sind einzelne Untersuchungen zrB. zu יהא #מיה רבא מברך uud zu יתברך zu längeren Abhandlungen-angewachsen. Ebenso wird die erweiterte und jüngere Form des Kaddisch, die heutzutage nach Beerdigungen verwendet wird, in ihren Einzelheiten untersucht (S. 79—ICO); alles wird auf die Lehrvorträge zurückgeführt (S. 116—117). Im Anhänge werden ausser den bereits mitgeteilten Untersuchungen noch die Fragen erörtert, wieso und wann das Kaddisch das Gebet der Leidtragenden geworden ist. Der Verf. sieht darin das Zusammenwirken der mystischen Anschauungen vom Werte der Rezitation des Kaddisch und vom Werte des öffentlichen Gebetes von Kindern für das Seelenheil der Eltern. (S. 101—106). Demnach wäre die Sitte nicht älter als das Ende des VII. Jahrhunderts, aber es gab noch lange und wiederholt Widerspruch dagegen. Ebenso wird der Brauch des Kaddisch im Synagogengottesdienst als Abschlussgebet in seinen verschiedenen Formen und Benennungen vorgeführt. Es fehlt dabei u. a. die Form מקדש/ מקדשין, die im Siddur Amram recht häufig ist. Früher als M. Sofrim lässt sich dieser Gebrauch nicht belegen (S. 107). Neben dem eigentlichen Gegenstand der Abhandlung gibt der Verf. eine Menge allgemeiner Bemerkungen, die für die Liturgie und die Religionsgeschichte wichtig sind, z. B. über die Gleichförmigkeit der .Gebete in den nachexilischen biblischen Büchern (S. 2 ff), über den Gebrauch von Hebräisch und Aramäi9ch in der alten jüdischen Literatur (S. 12 ff.), über die Eschatologie u s. w. Gegen einzelnes, was der Verf. vorbringt, lässt sich Widerspruch erheben, aber im ganzen bietet er sehr viel Anregung und gut gesicherte Belehrung. Dankenswert ist, wie die Bibliographie am Anfang (zu ergänzen: Jüdisches Volksblatt, Jahrg. I, Breslau 1895, G. Klein, der älteste christliche Katechismus, S. 266 ff.) so auch der Index am Schluss des Buches. — I. Elbogen- Berlin]. SONIES, K., De Fijdsbepaling van het eerste Psalmboek (Ps. 1 -41׳). Proefschr. Groningen, M. de Waal, 1911• VIII, 152 S. 8°. STERN, A., Die Medizin im Talmud. Frankfurt a. M., Sänger u. Friedberg, 1910. 24 S. 8°. M. 0,60. [Verfasser will einen Einblick in das mediz. Denken und Wissen der Talmudlehrer und ihrer Zeit gewähren und die Stellung der talmudischen Medizin innerhalb ihres Kulturkreises kennzeichnen. Er lehnt sich eng an die Arbeiten von Dr. Katzenelson in Petersburg und Dr. J Preuss in Berlin an. Nachdem der Verfasser kurz die sociale und öffentliche Stellung und Schätzung der A e r z t e im Judentum und speciell im Talmud gekennzeichnet hat, sucht ei: die Quellen der t&lmud. medizin.