Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Journal
- Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Volume
- XII (1908)
- Issue
- 6 (November-Dezember 1908)
- Date
- 1907-11-01
- Page
- Seite 185 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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185 aber am Rande in kleinerer Schrift ebensolche rituelle Kollektaneeu, welche mancherlei wiederholen, was im Texte bereits vorkommt. Dieselben können von einem anderen Kompilator herrühren, der den breiten, freien Rand des Siddur zu seiner Abschrift benutzte oder von dem ׳ Verfasser des Siddur selbst stammen, der ein gelehrter Mann war und sie nachträglich nach dem, was er später in Ritualwerken gefunden hat, hinzufügte. Ich unterscheide der Genauigkeit wegen in meinen Gitaten zwischen der Text- und Randhandschrift. (T. ms. und R. ms.) Der nordfranzösische synagogale Ritus, der in dem Siddur ms. zu Tage tritt, stimmt zum grossen Teile mit dem deutschen Ritus mehr wie mit dem Ritus anderer Länder überein. Das ist bei dem regen geistigen Verkehre, dem lebhaften Gedankenaustausche, der mehrere Jahrhunderte hindurch zwischen den nordfranzösischen und deutschen jüdischen Gelehrten stattgefunden hat, wohl erklärlich. An mancherlei ‘Verschiedenheit des Ritus beider Länder hat es gleichwohl nicht gefehlt. Bestand doch eine solche da wie dort selbst zwischen einzelnen Städten. Zudz hat darüber in seinem klassischen Werke: ״Der Ritus des synagogalen Gottesdienstes“ helles Licht verbreitet. Ich will daher in dem Wenigen, was ich darüber bemerke, nicht ״Eulen nach Athen tragen“ oder um mich eines talmudischen Sprichwortes zu bedienen, ״Stroh nach Aphraim bringen“ (Menachoth 85 a), sondern mich kurz fassen. Salomo b. Isaak, Raschi aus Troyes (1040—1105) hat zuerst in Frankreich ein Werk über den gottesdienstlichen Ritus verfasst, in dem sich den Gebeten verschiedene Ritualvor- Schriften anschliessen. Dieses Werk1) ist wohl von seinen Schülern und Verwandten später umgearbeitet und erweitert worden. Sein Schüler S i m c h a aus' Vitry hat ein derartiges grösseres, selbständiges Werk verfasst, das unter dem Namen Machsor Yitry2) bekannt ist. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts hat Menachem b. Joseph, Vorbeter in Troyes eine kurze Gebetordnung von Troyes angelegt, die von seinem Schüler Jehuda b. Elieser redigiert wurde.s). . 1) Cod. München 28 * als סדור רש״י oder סדרים של רבעו עלמה bezeichnet, Cod. Parma 858, Ood. Montefiore in London 125, früher Halberstam 120. v. Buber in seiner Fülleitung zu dem von ihm, Lemberg 1905, edierten ספר האורה von Raschi p. 86 ff. 2) מחזור ויטרי ed. Berlin 1893 von Hurwitz. ■ סדר טדוייש (3 ׳ ediert von M.׳ Weiss nach einer Handschrift aus der Bibliothek David Kaufmanns, Frankfurt a. M. 1905. v. Gallia judaica p. 240. v. Brtill, Jahrbücher VIII, 68—65. Marx, Zeitschr. f. Hebr. Bibliogr. IX, 143 f. Die Mitteilungen daselbst über den Siddur von Troyes sind mir entgangen. Ich kann auf sie in der Korrektur nicht mehr eingehen.