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Zeitschrift für hebraeische Bibliographie · 1907-07-01 · 4 (Juli-August 1908) · p. Seite 108

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Journal
Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
Volume
XII (1908)
Issue
4 (Juli-August 1908)
Date
1907-07-01
Page
Seite 108 (sequence 12)
Language
German
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108 H. ABTEILUNG, Zum Ausdruck מומר in den Handschriften des Talmud. Von Dr. Porges. In seiner Notiz üher den Ausdruck מומר in den Hss. des babylonischen Talmud (ZfHB*Xll, 39 ff.) macht Bacher darauf aufmerksam, dass nach den Angaben von Rabbinowicz in der Münchener Talmudschrift nicht allein משומד sondern auch מומי sich findet. Meine Behauptung aber, dass sämtliche Talmudhand־ Schriften überall, wo in unseren gangbaren Ausgaben מומי steht, ausnahmslos das Wort משומד haben, bezieht sich , natürlich nur auf unzensierte Handschriften, in denen der ursprüngliche Text völlig ungeändert sich erhalten hat. Die Münchener Handschrift gehört nicht zu den unzensierten, obwohl sie von der päpstlichen: Censur des XVI. Jahrh. sicher verschont geblieben ist. Rabbinowicz (Variantensammlung I, S. 34, Anm. 14) spricht von nur drei ZeDSurlücken, die er den Mönchen des bayrischen Klosters zuschreiben will, in dessen Besitz die Handschrift in der zweiten Hälfte des XVIII. Jahrh. gelangt ist. ich halte diese Annahme für unrichtig, glaube vielmehr, dass hier eine Selbstzensur von jüdischer Hand vorliegt. Seit wann solche Selbstsensur geübt worden ist? Sicher nicht vor dem Talmudprozess in Paris im Jahre 1240, denn bis dahin hatten hebräische Bücher keine Anfechtungen von Seiten .einer christlichen Zensur erfahren. Aus der zweiten Hälfte des XIII. Jahrh. stammt der Bericht*), dass König Jayme (Jacob) I; von Aragonien sämtlichen Juden seines Reiches aufgegeben hat,, innerhalb dreier Monate die Blasphemien gegen Christus und Maria auszumerzen, sowohl diejenigen, die von ihnen selbst in ihren Büchern oder in anderen Schriften aufgefunden, als auch .solche, die ihnen von Paulus Christianus sei es mündlich oder schriftlich angezeigt würden. Gewiss haben die Juden, um sich nicht schwerer Besträfung — Zahlung einer Busse von 1000 Morabetinen und Conflscation der Bücher — auszusetzen, die ihnen aüfgegebene Selbstzensur geübt. Aehnlich sind auch einzelne Zensurlücken in den spanischen Drucken des XV. Jahrhunderts aus einer bereits in den älteren Handschriften-Vorlagen geübten Selbstzensur zu erklären. Wenn also in der Münchener'Talmudhandschrift an drei Stellen die Worte ישו הנוציי gestrichen sind, dürfen wir in diesen Rasuren ohne weiteres Belege einer prophylaktischen Selbstzensur erblicken, *) Mitgeteilt von Carpzow in seiner Einleitung zu Pugio Fidei des Raymundus Martini S. 105.

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