Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Journal
- Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Volume
- XII (1908)
- Issue
- 4 (Juli-August 1908)
- Date
- 1907-07-01
- Page
- Seite 102 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2254995-7565919-7600195--2398-2257290- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
102 schiedenen Mundarten des Jüdischdeutschen verschieden lauten, der podolisch-wolhynische Dialekt zu Grunde gelegt worden ist. Zu den lateinisch transkribierten Sprichwörtern und Redensarten sind die vom Herausgeber für notwendig gehaltenen kurzen Erklärungen in deutscher Sprache hinzugefügt. Hierauf folgt (8. 296-899) in hebräischen Schrift- Zeichen ein (Index), ein alphabetisches Verzeichnis von Schlag- Wörtern nebst dazugehörigen Stellenangaben zur Auffindung der 8prich- Wörter, die ausser dem Schlagworte, unter dem sie angerahrt sind, auch noch ein anderes Schlagwort enthalten, unter dessen Rubrik sie ebenfalls am Platze gewesen wären. Den Schluss (S. 1—84 in besonderer Paginierung) bildet ein alphabetisches Glossar in deutscher Sprache, worin die in den jüdisch deutschen Sprichwörtern vorkommenden fremdsprach־ liehen oder sonst minder geläufigen Ausdrücke, sowohl einzelne Wörter als auch Redewendungen, eingenend erklärt werden. Die aufgeführten Sprichwörter und Redensarten sind nicht durchweg jüdischen Ursprungs, sondern teilweise ausdem Deutschen oder Slavischen in’s Jüdischdeutsche übertragen, was in den Anmerkungen nicht selten unerwähnt geblieben ist. So sind z. B. die Nummern 118, 188, 189, 210, 860, 8150, 8391, 8418, 8426, 8480, 8515, 8554, 8571, 3582, 8645, 8674 ursprünglich deutsche Sprichwörter. Ohne Zweifel sind wiederum andere, und zwar nicht wenige, polnischen oder rnssisehen Ursprungs. Es wäre von Vorteil gewesen, wenn der Herausgeber es sich hätte angelegen sein lassen, alle Entehnungen aus nichtjüdischem Volksgut als solche kenntlich zu machen. Die Quelle der aus dem Hebräischen (Bibel, Talmud, Midrasch, mittelalterliche hehr. Literatur) stammenden jüdisch deutschen Sprichwörter ist in den Anmerkungen meist angegeben, zuweilen aber auch unerwähnt gelaisseh, so z. B. Nr 85 (Talmud), 362 (Talm.), 600 (Spr. 27,6), 1064 (Gedicht von Abr. Ibn Esra in L. B. Orient 1843, 658), 1184 (2860 ,(סי חסידים (Talm)., 2761 (Spr. 11, 29), 8194 (Talm.,) 8852 (Spr. 12,23), 8679 (Talm.). Unrichtig erklärt ist das Witzwort Nr. 80, das fcuf einen Ehemann sich bezieht, der ״vor lauter אהבה דכה“ beim Morgengottesdienst zu spät kommt. — Nr. 98 ״Umgekehrt heisst auch gefahren“ bedeutet nicht scherzhaft, dass der Wagen umwirft, sondern dass man auch nach entgegengesetzter Richtung fahren, auch entgegengesetzt sich verhalten, das Gegenteil meinen oder tun kann. — Nr. 458 דער בעל״־דבר איז ניט ווערטה די מיה bedeutet, dass es nicht lohnt, mit einem כעל לבו, der alles aufs beste versteht, sich in ein Geschält einzulassen, weil dabei nicht viel zu verdienen ist. — Nr. 2800 אין לנו פיפע ist aus den Anfangsworten der Selicha אין לנו סה להשיב zu erklären. Vielleicht ist das Wort נויפע, Pipe Pfeife, nach Nr. 2909 עס איו ניט דא מיט תאם צו פייפען zu verstehen. —־ Zu Nr. 270t ygL 161 und 152• — Nr. 262[ או איין אדעס-מאן מאכט חתונה טראגען היגד גאנצע קעם bedeutet wohl: Wenn!ein armer Mann Hochzeit macht, bleiben die Köpfe der Hunde unbeschädigt, weil unter ihnen keine Schlägerei über die Reste der Hoclmeitstafel entsteht — Nr. 376 bedeutet wohl, dass ein Junggeselle in allen häusliehen Dingen die grösste Ungeschicklichkeit und Gedankenlosigkeit begeht. — Nr. 8649 א שוטד הנם איו ווי א הענגלייכטעד bedeutet, dass ein Wächter, der keinen Lohn bekommt, von allem, was um ihn vorgeht, so unberührt bleibt, wie ein Hängeleuchter• — Nr. 8535 או עם רעגענט רעגענט עם אומעטום bedeutet, dass ein Gutes vielen zu gute kommt. — 3546 ist der Hinweis auf Berach. 65b כל החלומות הולכין אחד חסה verfehlt, weil der Sinn dieser Stelle mit dem Sinn des Sprichwortes nichts