Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Journal
- Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Volume
- XI (1907)
- Issue
- 3 (Mai-Juni 1907)
- Date
- 1907-05-01
- Page
- Seite 68 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Fapyri, Inschriften und Ostraka (p. 25—34; nachzutragen sind noch die Ausführungen von Lidzbarski, Ephemeris f. semit. Epigraphik II, 210 ff.)• — Was nun der Inhalt der Papyri anbetrifft, so enthalten sie ßechtsurkunden über Kauf und Verkauf, Schenkungen, Nutzniessungen bei Eheschliessungen, Teilungen usw. von Häusern, Feldern, Sklaven und beweglichem Gut, wobei die Hauptpersonen (mit Ausnahme von L) die Mitglieder einer jüdischen Familie in drei Generationen sind, nämlich: ein gewisser Mabseja bar Jedonja (מחסיה בר ידניה), seine Tochter Mibtabaja (מבטחיה, auch מבטח und מסטחיה geschrieben, s. Glossar), die in erster Ehe einen Jezänja b. TJria (יזניח בר אוריה) und in zweiter einen königlichen Baumeister Asbor b. Theos (אסחור בר צחא אדריכל זי מלכא G2), der dann auchNatan (כתן, vgl. H3 mit J3 u. K2)genannt wird, geheiratet hat, sowie ihre beiden Söhne aus dieser zweiten Ehe, Mabseja und Jedonja (also wurde der eine nach seinem Grossvater und der andere nach seinem Urgrossvater benannt). Als Wohnort wird bald Syene (סון auch סון בירתא, so B17 usw; danach ist wohl auch das biblische סונה Ez. 29,10. 30,6 ה^? zu punktieren, d. h. [IQ mit dem ח locativum), bald Elephantine (egypt. יב, meistens יב בירתא; griechisch ,Iyß) angegeben, manchmal sogar bei einer und derselben Person (so z. B. Mabseja b. Jedonja, vgl. A2 mit B3). Was aber den Wert der Urkunden besonders erhöht ist die Tatsache, dass sie alle (mit Ausnahme von L) datiert sind, wobei die Tage und Monate sowohl nach jüdischer als auch nach egyptischer Zeitrechnung, die Jahre aber nach den regierenden persischen Königen gegeben sind. So trägt die älteste Urkunde A das Datum 18 Ellul 28 Pachons (םחנס) im J. 16 des Xerxes (אחשורוש חשיארש, vgl. besonders die Schreibung אחשרש Est. 10,1), also 470 v. Chr., die jüngste K dagegen — 24 Schebat 9 Athyr (חתחר) im J. 14 des Darius1) (דריוהוש; vgl. die Schreibung דריחוש bei Clay, Business Documents of Murashü Sons of Nippur etc., Philadelphia 1904, nr. 78), also 410 v. Ghr. Die Urkunden stammen demnach aus der Zeit des Xerxes, Artaxerxes I (= ארתחשסש ארתחששתא) und Darius II, erstrecken sich auf einen Zeitraum von 60 Jahren und fallen in die Periode, wo Egypten unter persischer Herr- Schaft gestanden, d. h. ungefähr in die Zeit von Ezra und Nehemia und ihrer unmittelbaren Nachfolger. Damals war auch bekanntlich in der ganzen westlichen Hälfte des persischen Reiches das Aramäische die offizielle Sprache (vgl. Ed. Meyer, Die Entstehung d. Judentums p. 9 ff.), und so erklärt es sich, dass auch unsere Urkunden aramäisch *) Der Text lautet (wobei ich die 1durch Zeichen gegebenen Ziffern in Buchstaben umwandle): בכ״ד לשבט שנת י*ג הו יום ט׳ לחתחור שנת י״ד, und Cowley glaubt nun, dass in der zweiten Ziffer der letzte Strich nicht mitzuzählen sei. Er hat aber nicht beachtet, dass da das jüdische Jahr mit Nisan begann, das egyptische dagegen mit Thoth (das damals ungefähr dem Kislew entsprach), nach egypt.!Rechnung man schon das 14. Regierungsjahr zählte, während nach jüdischer noch das 13. war (s auch Lidzbarski, Deutsche Ltztg. 1906, Col. 3208;. Vgl. Rosch Haschana 2a: ,ת״ר מלך שעמד בכ,,מ באדר כיון שהניע א בניסן עלתה לו שנה ואם לא עמד אלא באחד בניסן אין מוגין לו שנה עד שיניע ניסן אחר. Dasselbe ist nun der Fall auch in J1, wo das Datum lautet: בג, לכסליו שנת ח' הו יום י״ב לתהות שנת ח׳ (ט׳ .1) דריוהוש מלבא (über die Emendation von ח׳ in ט׳ s. folgende Seite Anm. 2). Ueber den Ertrag unserer Papyri für die Chronologie und die Geschichte des j&d. Kalenders (8. Theol. Ltztg. 1907, nr. 3) wird demnächst von anderer Seite in einer besonderen Studie gehandelt werden.