Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Journal
- Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Volume
- XI (1907)
- Issue
- 1 (Januar-Februar 1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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26 stand 70n Kaufangeboten wurde und wahrscheinlich von dem unter der Leitung Prof, S. Schechters stehenden Rabbinerseminar in New-York erstanden werden wird. Es ist nur höchst auffallend; dass Friedländer in dem seit 1902 verflossenen Zeiträume nichts von einem so überaus wichtigen Funde verlautbaren liess. Dieser Umstand vermehrt das geheimnisvolle Dunkel, in das die Hand• schrift auch jetzt noch gehüllt ist. Wie immer es sich mit der Jeruschalmi-Handschrift verhalten möge, ihr Inhalt tritt uns in der Ausgabe des Entdeckers als Wirklichkeit etngegen. Wir dürfen uns der Freude hingeben, die durch die unverhoffte Wiedererlangung eines so überaus wichtigen Teiles der alten Traditionslitteratur hervorgerufen wird. Aber die Freude ist nicht ungemischt. Mach dem eigenen Geständnisse des Herausgebers hat er sich durchaus nicht eine genaue Copierung des handschriftlichen Textes zur Pflicht gemacht, und weitete Ungenauigkeiten liess sich, wie ebenfalls in der Einleitung zu lesen ist, der Setzer zu Schulden kommen. Wir haben also fortwährend an Abweichungen •von der Handschrift zn denken, die in den vorliegenden Text beim Abschreiben und bei der Drucklegung eindrangen. Die zahllosen Fälle, in denen 1 für י steht, und umgekehrt, aber auch viele andere Druckfehler, von denen ein Teil am Schlüsse des Bandes berichtigt ist, verleihen der Edition den Charakter einer sehr nachlässigen Arbeit. Sonderbar ist z. B. die häufig vorkommende doppelte Schreibung des Buchstaden s, wo sie gar nicht am Platze ist (z. B. im Stadtnamen קסריין, st. קסרץ und die gewiss nicht zu den Eigentümlichkeiten der Handschrift gehört. Die Ungewissheit, die man beim Lesen des Textes empfindet, wächst auch dadurch, dass der Cemmentar, mit dem der Herausgeber ihn begleitet, nicht immer genau die im Texte zu lesenden Worte bietet. Eine grosse Yersäumnis hat sich der Herausgeber damit zu Schulden kommen lassen, dass er die Parallelstellen aus den übrigen Traktaten des Jeruschalmi nicht angiebt, nur im Commentare, und auch da nicht immer, auf sie hinweist. Ebenso verfährt er in Bezug auf die Parallelstellen aus dem babylonischen Talmud. Nur die Bibelstellen giebt er am Rande des Talmudstextes an, aber auch nicht vollständig und zuweilen unrichtig. So z. B. heisst es auf S. 6 a שם כג d. h. Deuteromium 23, statt שמות לד טו (Exod. 34,15); S. 41 a וייקרא א st. וייקרא יא; S. 52 a זכריה יד st. זכריה ד u. s.• w. Es sind aber nicht nur diese Aeusserlichkeiten der Edition, die uns der so bedeutungsvollen Bereicherung der Traditionslitteratur nicht froh lassen werden. In dem Talmudtexte selbst, der hier zum erstenmale, nachdem er als für immer verloren galt, an die Oeffentlichkeit tritt, begegnen uns. Einzelheiten, die leise Bedenken hervor-