Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Journal
- Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Volume
- XI (1907)
- Issue
- 1 (Januar-Februar 1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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15 grosse Mähe an deren ‘Beschreibung zu wenden? Tch kann nicht glauben, dass Völlers den Wert dieser Handschriften nur nach der Quantität bemessen und nicht gewusst hat, dass vor allem zwei besonders kostbare Cimelien darunter sind: das ältfranzösische (und mittelhochdeutsche) Bibelglossar Nr; 1099 aus dem Xlll. Jahrh. und •das künstlerisch illuminierte zweibändige Machsor Nr. 1102, woraus Hefner-Altenek und neuerdings Bruck Miniaturen veröffentlicht haben, vermutlich ebenfalls aus dem XIII. Jahrb. Aber auch die Handschriften Nr. 1100* 1105, 1108, 1109,. 1111 sind ein wertvoller Besiiz der Leipziger Universitätsbibliothek. Es lohnte also wohl, diesen Manuskripten die Ehre einer wissenschaftlichen Behandlung zu teil werden zu lassen. Aber selbst wenn es nicht gelohnt hätte, bestand dennoch, sobald einmal diese Handschriften in den Kreis der wissenschaftlich zu beschreibenden einbezogen waren, für den Bearbeiter die Pflicht, den Ansprüchen der Wissenschaft zu genügen, auch wo es sich nur um jüdische Handschriften handelte. Es bleibt beschämend — ob für die jüdische Literatur oder ihre nichtjüdischen Bearbeiter, sei dahingestellt —, dass auf diesem einen Gebiete noch immer Unberufene sich als Sachverstäadige sich aüfspielen dürfen und des angemassten statt des redlich erworbenen Wissens Fülle das Wort führen darf. Muss es denn immer von neuem betont, immer von neuem bewiesen werden, dass man mit hebräischer Grainatik und hebräischen Wörterbuch, mit Bibelkunde und talmudischen Lexicis allein den hebräischen Handschriften nicht beikommen kann, dass die üblichen Hilfsmittel hebräischer Sprachkünde nicht hinreichen, um unpunktierte hebräische Texte mit Sicherheit zu entziffern, und dass sie völlig versagen, wo es sich um hebräische Handschriften handelt? Dass selbst ein hervorragender Kenner orientalischer Handschriften den hebräischen gegenüber ratlos dastehen kann, ist durchaus begreiflich, nur Torheit vermöchte darin einen Tadel zu erblicken. Aber schroffe Zurück- Weisung verdient, wer trotz mangelnder oder mangelhafter Sachkenntnis vor dem Forum der Gelehrtenwelt als Sachkenner aufzutreten wagt, wer, sei’s auch nur im Hebräischen, statt in weiser Selbstkenntnis und Selbstbescheidung sich selbst ein ״hands off“vorzuschreiben, an eine gelehrte Arbeit herantritt, zu der ihm das nötige vorbereitende Wisseh und Können fehlt. Solch herbe Erwägungen drängen jedem sich auf, der mit der erforderlichen Fachkenntnis ausgerüstet die hebräischen Handschriften der Leipziger Universitätsbibliothek mit den darüber gemachten Angaben bei Völlers vergleicht. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, im folgenden nicht allein auf ■die. zahlreichen Fehler und Mängel bei Völlers hinzu-