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Zeitschrift für hebraeische Bibliographie · 1906-01-01 · 1/2 (Januar-Februar 1906) · p. Seite 45

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Journal
Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
Volume
X (1906)
Issue
1/2 (Januar-Februar 1906)
Date
1906-01-01
Page
Seite 45 (sequence 45)
Language
German
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45 sondern je nach dem vorliegenden Falle beide zu berücksichtigen habe. Ein deutliches Beispiel hierfür sei die erste Mischna im Traktate Nidda. Uebrigens hat auch hier bereits Säadja Beispiele aus der Bibel angeführt, so aus Lev. 22,12—13, wo die beiden Verse anscheinend verschiedene Vorschriften enthalten, wo aber der erste bei einer Priesterstochter, die Kinder hat, Anwendung findet, der zweite dagegen bei einer kinderlosen Priesterstochter. 4) Ebenso hinfällig sei der Einwand, dass wenn die Niederschrift der mündlichen Lehre notwendig wäre, sie Mose anbefohlen wäre, denn solange das jüdische Volk beisammen war, war diese Notwendigkeit eben nicht vorhanden und sie wurde erst aktuell, nachdem das Volk zerstreut wurde. 5) Ein weiterer Beweis gegen die Mischna soll sein der Vers Ps. 19, 8, wo es heisst, dass die Tora Gottes ״vollkommen“ sei und also keiner sie ergänzenden mündlichen Lehre bedarf. Aber in der Tat beweise dieser Vers gerade das Gegenteil. Unter Tora nämlich ist jede Art von Lehre zu verstehen, diese aber ist erst dann vollkommen, wenn man die schriftliche und die mündliche zusammen in Betracht zieht, denn die erstere ist ohne die andere unvollständig. 6) Ebensowenig kann gegen die Authentie der Mischna geltend gemacht werden, dass in ihr abweichende Begründungen einer Sache mit דבר אחר vorgetragen werden, denn sehr oft kann eine Sache vielerlei begründet werden, wobei alle Gründe der Wirklichkeit entsprechen. So werden z. B. im Talmud (Megilla 15 b) 10 Gründe angegeben, warum Ester den Haman zum Mahl eingeladen hat, und alle 10 sind aufrecht zu halten. Ebenso macht wiederum Saadja darauf aufmerksam, dass man doch wegen der Doppelnamen Gottes, die manchmal nebeneinander in der Bibel stehen (so z. B. II Sam. 22,14; Ps, 35,23; Eut 1,21) nicht auf einen Dualismus schliessen könne1). 7) Was nun die Meinungsverschiedenheiten der Schammaiten und Hilleliten anbetrifft, so war bereits davon die Rede, und übrigens gibt ja der Talmud (Sanhedrin 88 b) selbst als Ursache an, den Mangel an Reife bei den Schülern, die Widersprüche dort sahen, wo keine vorhanden sind. Das ist, als wenn A.. von seinem Lehrer hörte, man müsse drei Gebete täglich verrichten, B. hörte von vier und 0. endlich von fünf. Man könnte daraus einen Widerspruch konstruieren, in der Tat aber bezieht sich die Zahl drei auf gewöhnliche Werktage, vier — auf Sabbat- und Festtage *) Gemeint ist hier Emunot Absch. II (ed. Landauer, p? 88; ed. Slucki, p. 44), wo aber Rut 1, 21 nicht angeführt wird.

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