Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Journal
- Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Volume
- IX (1905)
- Issue
- 4 (Juli-August 1905)
- Date
- 1905-07-01
- Page
- Seite 105 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2254995-7565914-7600155--1773-2256691- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
105 dass die von Israel Abrahams in der Jewish Quart. Rev. X, 40—51 aus der Genizah veröffentlichten Haggadas, die zweifelsohne ägyptischen Ursprungs sind, gleichfalls diese Stücke nicht haben. Mit diesen Genizahfragmenten stimmt auch Saadia’s Fassung von כהא לחמא überein. Der Kiddusch für פסח mit der Einlage אתה גאלת war in Aegypten gebräuchlich, wie man aus den Genizah-Haggadot ersehen kann, was auch von Saadia (S. 82) für gestattet erklärt wird. Maimonides, der in seiner Darstellung der Liturgie auf das Notwendige sich beschränkt, erwähnt natürlich diese Einschaltung nicht. Ein anderer wichtiger Punkt, in dem Saadia und Maimonides übereinstimmen, ist die Einleitung נקדישך für alleKeduschot. Mit Ausnahme von מנהג אשכנז wird in allen Ritualien כתר zu Musaf gebraucht und wie ich in einem demnächst i!\ der Jewish Quart. R. erscheinenden Aufsatze nachgewiesen habe, stammt כתר aus Babylonien. Die Uebereinstimmung zwischen Saadia (S. 17) und Maimonides in diesem wichtigen Punkte ist ein sprechender Beweis für die Identität des Siddur mit מנהג מצרים. Die Verse מ׳ א׳ כ׳ נשא עון in ובא לציון גואל kennt sowohl Saadia (S. 17—18) als auch Maimonides. Bei der Annahme des ägyptischen מנהג für den Siddur erklären sich auch die vielenXJebereinstimmungen zwischenMinhag Yemen und unserem Siddur, da bekanntlich die Yemeniten schon bei Lebzeiten des Maimonides ihre religiöse Praxis ganz nach den Vor- Schriften des äpyptischen Meisters ordneten, an denen sie für die letzten sieben Jahrhunderte festhielten. Der Ritus Yemen ist wesentlich nicht anders als der מנהג מצרים zur Zeit des Maimonides, und daher die Uebereinstimmung zwischen dem Siddur Saadia’s und dem Ritus Yemen. Natürlich darf man dabei nicht übersehen, dass einerseits der Minhag מצרים in den Jahrhunderten zwischen Saadia und Maimonides sich in Manchem verändert hat, und dass andererseits die Oxforder Handschrift von Saadias Siddur doch Manches enthält, das der Gaon nicht geschrieben hat. Wie man mit solchen Sammlungen verfuhr, dafür ist der Siddur R. Amram ein lehrreiches — man möchte beinahe sagen abschreckendes — Beispiel. Wäre der Siddur R. Saadia so populär wie der R. Amrams gewesen, so hätte er ein gleiches Schicksal erfahren, aber in seiner unveränderten Gestalt hat auch er sich während der Jahrhunderte sicher nicht erhalten. Daher wird Manches von den ראשונים aus dem Siddur R. Saadia’s aufgeführt, das in der Oxforder Handschrift desselben sich nicht findet, wie auch andererseits die Handschrift Manches bietet, das den ראשונים imbekannt blieb. Ein solcher Fall liegt vor in der Rezitation von והוא רחום vor מנחה (S. 15), das nur noch Minhag Yemen kennt. Die Gründe, die von den ראשונים für והוא רחום gegeben werden (vgl. Tur Orah Hajjim 237 und Abudrahim ed. Amsterdam 50b) zeigen, dass והוא רחום vor מנחה ganz unbekannt war. Ein Mann wie Abraham b. Nathan, der Saadias Siddur genau kannte, hätte sicher die Ansicht des Gaon berücksichtigt bei der Erörterung über ,וחוא רח, wenn die ihm vorliegende Rezension des Siddur mit der unserigen übereingestimmt hätte. Bondi tut daher Abudrahim Unrecht (S. 4), wenn er dessen Angabe über das Eintauchen der Mazza als irrig bezeichnet, weil sie in Widerspruch steht mit der Angabe der Oxforder Handschrift. Bondi (S. 10) geht sogar so weit und bezweifelt überhaupt, ob Abudrahim den Siddur kannte. Aber angesichts der direkten Behauptungen Abudrahims מצאתיה בסדר.. ורב סעדיה (fol. 17 a ed. Amst.) und ובסדר רפ סעדיה מצאתי (fol. 134 b) wird der Zweifel Bondis zu einer Bezweiflung der Wahrhaftigkeit Abudrahims! Ob Abudrahim den ganzen Siddur kannte, lässt sich, solange derselbe uns nicht yorliegt, mit Bestimmtheit