Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Journal
- Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Volume
- IX (1905)
- Issue
- 3 (Mai-Juni 1905)
- Date
- 1905-05-01
- Page
- Seite 70 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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70 historische Kritik eine terra incognita, die christologische Auffasuug des A. T. unbestritten die herrschende war, die Verse Öen. 49,10 ff. anders, als auf den Stifter der christlichen Kirche deuten? Und wie konnten die Juden anders, als eine so verkehrte und 'ihren heiligsten Ueberzeugungen zuwiderlaufende Deutung mit aller Entschiedenheit ablehnen? Mochten die christlichen Theologen sich noch so sehr über die Hartnäckigkeit und Verstocktheit der Juden entrüsten, diese waren je länger desto fester von dem Unrecht ihrer Gegner überzeugt. So trug die fortgesetzte Polemik, statt die Ansichten zu klären, nur dazu bei, den Trotz zu nähren und zu f estigen. Bis zum Ueberdruss wurden ein Jahrtausend hindurch rostige Waffen immer wieder hervorgeholt, auf beiden Seiten kehren die gleichen Behauptungen pro und contra regelmässig wieder. Originalität findet sich bei den allerwenigsten, die texteskundigen bibelfesten Juden sind hier im Vorteil. Weitaus die meisten beschränken sich darauf, ihren Vorgängern einfach nachzuschreiben, Entlehnungen werden nach mittelalterlicher Sitte ohne Quellenangabe dargeboten, und jeder tut dabei wie auf seine eigene Weisheit sich viel zu gute. Allmäblig führte die Polemik zu fortwährenden Wiederholungen und, wenn gar die leidige Sucht durchaus neues, wo möglich schlagendes zu sagen hinzukam, zu immer grösseren Geschmacklosigkeiten. So ist die Lektüre des vorliegenden Buches einer Wanderung durch eine dürre Heide zu vergleichen. Daran ist nicht etwa der Verfasser schuld, sondern der Stoff, der, wenn er nun einmal mit aller Gründlichkeit behandelt werden soll, hier mit sehr grossem Fleisse, strenger Gewissenhaftigkeit und anscheinend Kickenloser Vollständigkeit bis zur Beformationszeit aufs gründlichste bearbeitet worden ist. Von den Vertretern der cbristologischen Polemik zu Gen. 49,10 vor der Beformationszeit wäre allenfalls noch Finus Adrianus Ferrariensis (Jn ludaeos Flagellum, Ven. 1538, lib; V, c. 4, fol. 151—157, verfasst im ersten Jahrzehnt des XVI. Jahrh.) nachzutragen. Ueber Finus s. Wolf B. H. II, p. 1026 Und 1128ff. (Im Index bei Wolf fehlt der Name). Vermutlich hat auch das von Finus in der Vorrede gerühmte und dann ausgiebig benutzte Buch des Bischofs Petrus Brutus (Adversus Judacos pro Christiana fide, Vincentiae 1489, angeführt bei Fabricius, Delectus scriptorum adversus Judaeos p. 576) über Gen. 49,10 ausführlich gehandelt. Die Weglassung dieser beiden Autoren, die sicherlich nur bereits gesagtes wiederholt haben, tut übrigens dem Werte des vorliegenden Buches keinen Eintrag. Dem Bienenfleisse des gewissenhaften Sammlers alle Hochachtung, der Hebevollen Bearbeitung des Stoffes ein volles Lob, dem redlichen Bemühen des Verf., die vorhandenen Texte möglichst vollständig zu bringen, möglichst eingehend zu erläutern, möglichst ausgiebig zu verwerten, aufrichtige Anerkennung. Aber der Verf. ist in dem Streben erschöpfend zu sein ד— meinem Empfinden nach — zu weit gegangen, nicht allein^ bis zur Erschöpfung des Stoffes, sondern auch bis zur Erschöpfung des Lesers, der durch die vielen Wiederholungen derselben Auslegungen, Darlegungen und Widerlegungen schliesslich ermüdet wird. Selbst bei oberflächlicher Lesung muss es auffallen, dass der Verf. zwecklose Wiederholungen nicht zu vermeiden sucht. Wozu z. B. erst die ausffthrliche Inhaltsangabe einer Erklärung, die dann in nahezu wörtlicher Uebersetzung aus dem Hebräischen oder Lateinischen noch einmal wiederholt wird? Z. B: S. 108,182 und oft. In vielen Fällen hätte auch statt der wörtlichen Uebersetzung ein Auszug die gleichen Dienste getan. Nachdem S. 127 ff. die Erklärung des Samuel b. Me'ir erst aus•*