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Zeitschrift für hebraeische Bibliographie · 1904-11-01 · 6 (November-Dezember 1904) · p. Seite 185

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Journal
Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
Volume
VIII (1904)
Issue
6 (November-Dezember 1904)
Date
1904-11-01
Page
Seite 185 (sequence 25)
Language
German
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185 Betrachtungen fehlen. Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass in einem Volksbuch gar nicht der Platz für solche Betrachtungen ist. Dass ferner im ״Artushof“ nicht soviel von Gott die Rede ist, wie im ״Wigalois“, dass z, B. die Rettung Wieduwilt’s von der Mutter des Riesen nicht wie in Wirnts Werk als ein Wunder Gottes hingestellt (Z. 6505), sondern ganz natürlich erklärt wird (Wagenseil p. 275), ist eher als Vorzug denn als Nachteil zu betrachten. Der ״Artushof“ ist eben nur volkstümliche Erzählung, nicht zugleich Erbauungsbuch. — Im übrigen lassen sich manche Punkte anführen, die gerade für den ethischen Wert der jüdisch-deutschen Erzählung sprechen — soweit von einem solchen bei einem derartigen Stoffe die Rede sein kann. Nach der Rückkehr von seinem Abenteuer erzählt Gawain bei seiner Ankunft an Artus’ Hofe alles der Wahrheit gemäss (Wag. p. 181), bei Wirnt ist dem nicht so (Z. 1158). Wieduwilt ist im Gegensätze zu Wigalois stets edelmütig gegen die besiegten Ritter. Die sinnliche Stelle in der Erzählung von der Auffindung des verunglückten Wigalois durch das Eischerweib (Z. 5435) ist in der jüdisch-deutschen Erzählung ausgelassen. Auch der Umstand, dass im ״Artushof‘' Wieduwilt sich verpflichtet fühlt, sein der Mutter des Riesen gezwungen gegebenes Wort zu halten trotz der misslichen Lage, die daraus für ihn entsteht (p. 298), ist nicht dazu angetan, die Erzählung für moralisch ganz tiefstehend zu halten. Mit all dem soll gewiss nicht gesagt werden, dass sich der ״Artushof“ an ethischem Werte mit dem ״Wigalois“ des Wirnt messen kann oder deutlich darauf ausgeht, seinen Leser sittlich zu bessern, welche Absicht dem Verfasser der jüdisch-deutschen Erzählung gänzlich fern liegt. Fassen wir alles zusammen, so können wir sagen, dass der dem Josel von Witzenhausen zugeschriebene, allem Anscheine nach aber ältere, von einem unbekannten Autor verfasste ״Artushof“ sich mit Wirnts ״Wigalois“, der sicher seine Quelle ist, zwar nicht in Bezug auf Form und Darstellung messen kann, dass auch die ethische Verwertung des Stoffes und die psychologische Vertiefung der Charaktere verloren gegangen ist; dass hingegen die gegen die Erzählung erhobenen Vorwürfe zu weit gehen, da nur die Form einen solchen verdient, der Stoff aber keineswegs verunstaltet ist, und moralisch anstössiges nirgends gefunden wird. Als eine für einen ästhetisch ungebildeten Leserkreis geschriebene Unterhaltungslektüre kann der ״Artushof“ den Vergleich mit ähnlichen Werken anderer Literaturen aushalten.

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