Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Journal
- Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Volume
- VIII (1904)
- Issue
- 6 (November-Dezember 1904)
- Date
- 1904-11-01
- Page
- Seite 184 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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184 Andererseits finden wir, namentlich anfangs, kleine Zusätze, die beweisen, dass der Verfasser, dem es ja im allgemeinen nicht sehr auf die innere Verknüpfung der einzelnen Teile seiner Erzählung ankommt, doch ein gewisses Geschick in der Verbindung und Motivierung der Handlungen besitzt. So sehen wir in Wirnts Werk anfangs, wie der Ritter mit seinem Geschenke, dem Gürtel, abge-־ wiesen wird; darauf wird berichtet, dass er einen Artusritter zum Zweikampf auffordert und Gawain die Herausforderung annimmt; alles ohne Begründung und inneren Zusammenhang. Der Verfasser des ״Artushofes0 hingegen stellt einen solchen her, indem die Herausforderung als Rache des beleidigten Ritters aufgefasst wird; Gawain gerade muss jene annebmen, da auf seinen Rat hin der Fremde die Abweisung erfahren hat. Aehnliches findet sich öfters im Verlaufe der Erzählung. Von sonstigen Abweichungen seien nur noch diejenigen erwähnt, die auf den ethischen Wert oder Unwert des ״Artushofes“ einen Schluss gestatten. Dabei muss kurz auf die Angriffe eingegangen werden, welche die Erzählung wiederholt erfahren hat. Benecke hat alles, was er zu sagen wusste, in die Bezeichnung ״echtjüdische Maase“ zusammengefasst1). Auf den Inhalt kann sich der Vorwurf kaum beziehen, da jener sich ja in der Hauptsache mit dem des ״Wigalois“ deckt. Jedoch hat die kleine Abweichung am Schlüsse des ״Artushofes“ ßeneckes Missfallen erregt. Demgegenüber ist indessen hervorzuheben, dass die Weglassung der Kämpfe am Schlüsse bei der grossen Zahl der Abenteuer, die schon früher erzählt wurden, nur lobenswert ist, und dass die Lösung des Ganzen durch eine Doppelhochzeit in einem Volksbuche, das dem Geschmack der grossen Masse Rechnung trägt, jedenfalls keinen schweren Tadel verdient. Begreiflicher ist es, wenn die Form des ״Artushofes“ angegriffen wurde. Denn wenn auch gegen die Anwendung des Knittelverses in einer volkstümlichen Dichtung nichts zu sagen ist, so muss doch zugegeben werden, dass die Sprache des Verfassers unedel, stellenweise sogar niedrig ist. Aber auch hier ist entschuldigend zu bemerken, dass die Sprache des ״Artushofes“ nicht mit Wirnts sondern mit der in den Volksbüchern gebrauchten verglichen werden muss. Der ״Artushof“ und ähnliche Werke sind nicht, wie Wirnts ״Wigalois“, als geistige Nahrung für die vornehmsten Gesellschaftskreise bestimmt gewesen, sondern sie bildeten nur die Augenblickslektüre einer ungebildeten, anspruchslosen Menge. Vollkommen ungerechtfertigt ist es dagegen, dem Verfasser moralischen Sinn abzusprechen, weil bei ihm Wirnts moralische *) Dagegen sagt B. nicht, der Stoff sei mit aller ״Frechheit“ eines jüdischen Bänkelsängers behandelt (vgl. Karpeles S. 1020), sondern mit aller ״Freiheit“; vergl. Wigalois S. XXX.