Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Journal
- Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Volume
- VIII (1904)
- Issue
- 6 (November-Dezember 1904)
- Date
- 1904-11-01
- Page
- Seite 183 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2254995-7565913-7600149--1644-2256569- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
183 Gästen bei dem Hochzeitsfeste kurz erwähnt finden, von denen letzterer allerdings sonst nirgends begegnet. Die wesentlichsten Abweichungen bietet, wie schon bemerkt, der Schluss. Zwei neue im Wigalois nicht vorhandene Motive sind hier verwendet: die Rolle des Stummen und die Wahl zwischen zwei Bräuten. Was das erstere betrifft, so findet sich ein ähnliches Motiv wiederholt verwendet; am wahrscheinlichsten ist die Entlehnung aus der Erzählung ״Die sieben weisen Meister“, in der der Held ebenfalls eine gewisse Zeit stumm bleiben muss, um dann den Lohn für sein Schweigen zu erhalten. Die Entlehnung aus den ״sieben weisen Meistern“ ist auch wohl um so eher anzunehmen, als die früh entstandene jüdisch-deutsche Bearbeitung dieser Erzählung das Interesse der Juden für sie bekundet. Eine genaue Parallele zum zweiten Motiv ist mir nicht bekannt. Einiges jedoch spricht dafür, dass das Verhältnis Tristans zu den beiden Isolden dem Verfasser vorgeschwebt habe. Hier wie dort finden wir zwei Frauen, die den Helden der Erzählung beansprachen, während sein Herz sich nur der Einen zuwendet. Wie hier wird auch der Held in der Tristansage in die schwierige Situation gebracht dadurch, dass ein König ihm als Dank für geleistete Dienste seine Tochter zur Gattin geben will. Der Umstand ferner, dass auch am Schlüsse der Tristanerzählung die Heilung einer im Kampfe davongetragenen Wunde durch die Geliebte — in unserer Erzählung allerdings nicht durch Lorel — eine Rolle spielt, ist eine weitere Aehnlichkeit. Schliesslich ist noch in diesem Zusammenhange zu erwähnen, dass in der Prager Ausgabe ausser den oben angeführten Namen Siegfried und Sigelon auch der Name des aus der Tristansage bekannten Königs Mark als der eines Gastes bei dem Hochzeitsfeste zu finden ist Ob dieser Name schon in der ersten Ausgabe vorhanden gewesen ist, bleibt fraglich, da die anderen Ausg. ihn nicht aufweisen. Vom Schlüsse abgesehen kam es dem Verfasser des ״Artushofes“ nicht sowohl darauf an, das Original zu verändern, als es zu verkürzen. Dies Bestreben nach Vereinfachung zeigt sich namentlich auch darin, dass die zahlreichen weitläufigen Schilderungen des Aussehens von Personen (vergl. z. B. Beneckes ״Wigalois“ 4401) und Beschreibungen von Festlichkeiten ganz wegfallen oder durch kurze Andeutungen ersetzt werden. Ebenso werden die feinen Schilderungen psychologischer Art, die bei Wirnt nicht selten zu finden sind (z. B. 4153, 8100), ganz fortgelassen. Nicht besser ergeht es den zahlreichen moralischen Betrachtungen Wirnts, die gerade aqn meisten dazu beitrugen, dass dessen mhd, Erzählung in so hohem Ansehen stand.