Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Journal
- Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Volume
- VIII (1904)
- Issue
- 6 (November-Dezember 1904)
- Date
- 1904-11-01
- Page
- Seite 182 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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182 schwiegen hatte, endlich nach der dreimal an ihn ergangenen Aufforderung Lorels, ein Wort za ihr za reden, sie als seine Braut erwählt, protestiert der das Fest veranstaltende Vater der anderen Jangfrau, die den Helden vom Tode errettet hatte. König Artus aber entscheidet za Gunsten Lorels, während die andere mit des Königs Neffen, dem Grossherzog von Toscana, verheiratet wird. Wieduwilt erwirbt allmählich drei Königreiche und ״war ein grosser mächtiger Herr“. Wir können somit feststellen, dass sich der Verfasser des ״Artushofes“, der anfangs seiner Quelle durchaus folgt, mehr und mehr von ihr entfernt. Die Unterschiede sind so wesentlich, dass anzunehmen ist, dass der Verfasser das Original nicht vor sich hatte, sondern das Gelesene frei aus dem Gedächtnisse verarbeitete. Das geht namentlich auch aus der Behandlung der Eigennamen hervor; abgesehen von Artus, Gawain und Lorel sind alle die zahlreichen Eigennamen des ״Wigalois“ im ״Artushofe“ weggelassen, wohl weil der Verfasser sie vergessen hatte. Auch die Verwandlung von Wigalois in Wieduwilt mag so auf die Vergesslichkeit des Autors zuriiekgefuhrt werden, zumal der Name Wigalois in Wirnts Werk nicht sehr häufig begegnet, Der Name Wieduwilt erklärt sich aus den Worten, die sein Vater bei dem Abschiede zur Mutter spricht: Nenne den Sohn ״wie du wilt (-willst)“ 1). Bemerkenswert ist die als Ersatz für ausfallende Eigennamen erfolgende Einführung anderer Namen; so wird Gawains Mutter Lucrezia, Königin von Lothringen, genannt, wie auch Gawain Sohn des Königs von Frankreich und König von Lothringen ist. Auch die bereits erwähnte Einführung des Grossherzogs von Toscana und die Bezeichnung von Lorels Vater als König aus Ungarland beweisen, dass der ״Artushof“ modernere, allgemein gekannte Namen vorzieht. Mehr Schwierigkeit bereitet das Vorkommen des Namens ״Wachsenstein“ — so heisst das Schloss von Lorels Vater. ״Wachsenstein“ findet sich im Nibelungenliede und in der Dietrichsage. Wieso der Name in den ״Artushof“ kommt ist nicht klar; wenn wir aber bedenken, dass der Verf. manches gelesen hat — wie ja aus der Einleitung zum Artushof hervorgeht und auch im folgenden noch gezeigt wird —, so ist eine Reminiscenz an jene Dichtungen nicht ausgeschlossen, zumal die Dietrichsage ja früher bei den Juden bekannt war. Erwähnenswert ist hier auch, dass sich am Ende der Prager Ausgabe die Namen Siegfried und Siegeion als die von *) Ueber ähnliche Namengebungen vgl. Toblers interessante Axis• frthrungen über ״verblümten Ausdruck“ in ״Vermischte Beiträge“ II, 192.