Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Journal
- Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Volume
- VIII (1904)
- Issue
- 5 (September-Oktober 1904)
- Date
- 1904-09-01
- Page
- Seite 152 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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Scholl aas diesen, so viele Verschiedenheiten darbietenden, an die Schale geknüpften Umständen and Erwägungen ergiebt sich eine eigentümliche Mischung der Elemente, woraus das ״Publikum“ erwachsener, studirender, oder sonstiger Juden besteht —- abgesehen voü den aus dem Osten eingewanderten ״Gelehrten“, Welche unsere Universitäten ohne Vorbildung besuchen. Für dieses sogen, gemischte Publikum ohne irgend eine Qualifikation haben sich Lokale und Lehrer ebenfalls ohne jede Qualifikation gefunden.1) Es werden immer mehr Vorträge, einzeln oder periodisch, in geschlossenen Vereinen (meistens für jüdische Geschichte und Literatur), oder mit freiem Zutritt abgehalten, in der Absicht, reifere Jugend, Erwachsene und Greise über Juden und Judentum aufzuklären und zu belehren.״ Warum söBten die Juden nicht auch diese ganz neuen Lehrveranstaltungen auf eigenem Boden anwenden? Jedes Mittel kann missbraucht werden; aber auch jeder Missbrauch muss als solcher aufgedeckt, davor gewarnt werden. Zu einer solchen Warnung sehe ich mich nicht nur berechtigt, sondern auch verpflichtet. Die jüdischen Aerzte sind seit 60 Jahren Gegenstand allgemeiner und besonderer Forschung. Sie bieten verschiedene Gesichtspunkte und erfordern entsprechende Sach- und Quellenkenntnis. Ich selbst konnte als Laie in der Medicin während dieser Zeit nur Biographisches und Quellenkunde sammeln; eine Beurteilung der Leistungen von Seiten der Wissenschaft. war nur aus gelegentlichen Erwähnungen in den allgemeinen Geschichten der Medicin zu holen, in denen allerdings jüdische Aerzte sehr spärlich vertreten sind. Hier wäre, wie in der Geschichte der eigentlichen Wissenschäften überhaupt, die Vorfrage zu erledigen. Sind wir überhaupt berechtigt, Wissenschaften nach Nationen (resp. Rassen) zu behandeln, öder dürfen wir sie nur als Bestandteile der Kulturgeschichte den Nationalgeschichten untorordnen? Vielleicht ist diese Frage nicht bei allen Wissenschaften in derselben Weise zu beant- Worten. In Bezug auf Philosophie habe ich anderswo (Peiser’s Orient. Litztg. 1901 n. 3) hervorgehoben, dass, nach Prof. Seyerlen, merkwürdiger Weise ״wie die Philosophie der Neuzeit, so die grosse wissenschaftliche Bewegung des christlichen Mittelalters durch einen Israeliten eingeleitet worden ist“, jene durch einen spanischen Juden *) Yor mehreren Jahren erkundigte sich ein Student auf der k. Bibliothek, was über einen älteren hebr. Schriftsteller bekannt sei. Ich merkte die gänzliche Unbekanntschaft mit dem Gegenstände, hörte aber zu meiner Belustigung, der Fragesteller solle einen Vortrag darüber in seinem Vereine haften.