Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Journal
- Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Volume
- VIII (1904)
- Issue
- 5 (September-Oktober 1904)
- Date
- 1904-09-01
- Page
- Seite 147 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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— 14? erlebt habe. Davon ist im Prosaromane keine Spur zu finden. Wie sollte der Verf. des Artushofes zu diesem Motive gekommen sein ohne Kenntnis von Wirent’s Werk? Der Original-Wigalois erfreute sich einer so grossen Beliebtheit, dass eine beträchtliche Zahl von Handschriften existierten1), und es ist׳ nicht erstaunlich, dass im Laufe der Zeit eine auch einem Juden in die Hände fiel. Die Prosafassung des Volksbuches unterscheidet sich nur in kleinen Zögen von Wirent’s Werk; aber es lassen sich zahlreiche, dem obigen ähnliche Fälle feststellen, die die Uebereinstimmuüg des Artushofes mit Wirent und den Unterschied gegenüber der Prosaerzählung zeigen. So erzählt der Prosa-Wigalois, dass der zu Anfang des Ganzen an Artus’ Hof kommende Ritter ein Zelt vor dem Hoflager aufschlägt, um die Antwort der Königin betreffs Annahme oder Zurück- Weisung des ihr geschenkten Gürtels zu erwarten. Im Artushof wird wie bei Wirent nur kurzweg von. seinem Warten berichtet, ohne dass ein Zelt erwähnt würde. Der fremde Bitter führt Gawain in sein Land und tut sich nicht Wenig auf seinen Besitz zu gute, gerade wie bei Wirent; im Volksbuch finden wir nichts derartiges. Der an Artus’ Hof zurückkehrende Gawain wird in der jüd.-deutschen Bearbeitung gerade wie bei Wirent an seinem Wappen- Schilde (Radzeichen) erkannt; im Prosaroman ist nichts entsprechendes vorhanden. Der die Botin des bedrängten Königs begleitende Wieduwilt erhält, als er sich zu seinen ersten Heldentaten aufmacht, von seinem Vater einen Helm zum Abschiedsgeschenk; Wirent weiss ähnliches zu melden, das Volksbuch hat nichts dergleichen. Jene Botin reitet im Artushof wie bei Wirent auf einem weissen Zelter; im Prosaroman wird das nicht erwähnt. Das Angeführte dürfte genügen, um zu beweisen,• dass die jüd.-deutsche Erzählung dem ״Wigalois“ des Wirent selber näher steht, als dem auf diesem beruhenden Volksbuche. Eine weitere, nicht gedruckte Bearbeitung der Wigalois-Erzählung, diejenige Ulrich Fuetrers (1480), kann auch nicht für uns als Quelle in Betracht kommen, da sie, nach den spärlichen Mitteilungen, die wir über sie besitzen, auf dem Prosaromane beruht. An einen anderen Einfluss auf den Artushof, etwa einer entsprechenden ausländischen Erzählung, ist nicht zu denken, da die inhaltlich am nächsten stehenden franz. und engl. Dichtungen vom schönen Unbekannten, der franz. Prosaroman des Claude Platin (15. Jahrb.) und der italienische Carduino dem ״Artushof“ ungleich viel weniger ähnlich sind als der Wigalois des Wirent von Gravenberg. Letztere ») Vgl. Zschrft f. d. Alt. 22 ff.