Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für hebraeische Bibliographie · 1904-09-01 · 5 (September-Oktober 1904) · p. Seite 146

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
Volume
VIII (1904)
Issue
5 (September-Oktober 1904)
Date
1904-09-01
Page
Seite 146 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2254995-7565913-7600148--1606-2256532
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

146 Lebensgeschichte von des Helden Widüwilt Mutter zweimal, einmal aus ihrem eigenen, dann aus ihres Gatten Gawain Munde; oder Widüwilt erzählt seinem Vater Gawain breit, wie er zum ersten Male von ihm gehört habe — eine unnütze Wiederholung von kurz zuvor berichteten Ereignissen; oder ebenderselbe teilt nach dem Lindwurm-Abenteuer noch einmal seine Heldentaten umständlich mit u. s. w. Diese in den anderen Ausgaben nicht enthaltenen Wiederholungen sprechen wohl auch dafür, dass die Prager nicht die Grundlage der anderen Ausg., sondern selbst die Bearbeitung einer früheren ist, und dass der etwas spätere Amst. Druck (1683) eine ältere Form repräsentiert. Als Grundlage für beide dürfen wir den verlorenen, ersten Amst. Druck (1650—75) annehmen, der mit der späteren Amst. Ausgabe in Inhalt und Eorm fast identisch gewesen sein wird. Dafür spricht ausser dem bisher angeführten auch der Umstand, dass nach der Angabe des Sab. Bass das Format der ersten Amst. Ausg. 8°, also gleich dem der zweiten, und nicht 4°, gleich Prag, war. "Wäre die Prag, ein einfacher Abdruck von der ersten Amst. Ausg., so hatte ihr Verfasser das Format nicht verändert, da man bei Abdrücken in der Regel das Format beibehielt1). Es hat uns also der Prager Druck, der ja dem Inhalt nach sich fast vollständig mit dem anderen deckt, für eine Umarbeitung, der erhaltene Amsterd. aber als ursprüngliche Form zu gelten2). Wir haben oben schon die Frage nach der Quelle des ״ Artushofes“ berührt. Dass die Erzählung mit Wirent von Gravenberg's ״Wigalois“ in Zusammenhang steht, kann nicht bezweifelt werden. Es ergeben sich jedoch zwischen, dem mittelhochdeutschen und dem jüdisch-deutschen Werke so viele Unterschiede, dass die Möglichkeit erörtert werden muss, ob nicht eine andere Fassung derselben Erzählung die Vorlage gewesen ist. Vergleichen wir zunächst das Volksbuch oder den Prosaroman von Wigalois, der ja wiederholt als Quelle des Artushofes bezeichnet wo! den ist3), mit letzterem, so zeigt sich bald, dass dieses der jüdisch-deutschen Bearbeitung ferner steht, als der Original-Wigalois des Wirent. Schon v. d. Hagen hat daraut aufmerksam gemacht, dass der Artushof in Üeberein- Stimmung mit Wirent anfangs erzählt, es sei Sitte an Artus’ Hof gewesen, nie eher ein Mahl einzunehmen, als bis man eine ״Märe“ ג) s. Serapeum 1869, S. 145. 2) Gegen die ebenda (Ser. 1869) geäusserte Ansicht, Prag sei älter, spricht ausserdem der Umstand, dass das. Vorwort in P nichts enthält, was den Schluss fordert, es sei von dem ursprüngl. Dichter des Artushofes verfasst; vergl. dagegen oben S. 129. 3) Zuletzt von Fränkel 1. c.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.