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Zeitschrift für hebraeische Bibliographie · 1904-09-01 · 5 (September-Oktober 1904) · p. Seite 145

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Journal
Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
Volume
VIII (1904)
Issue
5 (September-Oktober 1904)
Date
1904-09-01
Page
Seite 145 (sequence 17)
Language
German
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i 4& — Der ״Ärtushof“ und Josel von Witzenhausen. Ton Dr. Schüler (Frankfurt a. M.) (Fortsetzung.) Was lässt sich nun in Bezug auf Inhalt und Form der verlorenen ersten Ausgabe sagen? Wenn rar die erhaltene Amst. Ausg. (1683) mit der Prager vergleichen!), so finden wir, dass erstere, dem Datum ihres Druckes nach jüngere, in der Hauptsache älteren Charakter zeigt als letztere. Der wesentlichste Unterschied zwischen beiden ist die Form. Während die Amsterd. sowie alle späteren Ausg. den volkstümlichen Knittelvers aufweisen, der den durch ihre synagogale Poesie an Beim gewohnten Juden sehr nahe lag, begegnet uns in der Prager Ausgabe die kunstvollere Stanze (mit der regulären Reimstellung abababcc). Und wenn auch der deutsche Dichter Dietrich von Werder * schon in der ersten Hälfte des 17. Jahrh. von der ottava rima Gebrauch macht und wir auch in der frühen jüdisch-deutschen Uebersetzung der Dietrichsage* 2) eine ähnliche Strophe finden, so handelt es sich doch hier nur um Uebersetzungen, die sich eng an das Original anschliessen. Zur selbständigen Verwendung kam die ottava rima erst spät in der deutschen Literatur, sodass wir gut tun, eine in ihr abgefasste Dichtung möglichst spät in das 17. Jahrh. zu setzen. Natürlich kann das allein nicht ausschlaggebend sein. Wir finden aber auch einige sachliche Züge, die dafür sprechen, dass Amst. die ältere Form der Dichtung darstellt. Der in der Erzählung am häufigsten genannte Name ist hier zunächst zu beachten. Das Edelfräulein Larie aus Wirnt von Gravenberg’s ״Wigälois“ begegnet uns in Amst. als Lorel — eine bei der Beliebtheit der Endung 1 und bei der dialektischen Trübung des a zu 0 leicht begreifliche Aenderung, die um so weniger auffallend ist, als der Verf. des Artushofes ja nicht nach Vorlage, sondern nach dem Gedächtnisse geschrieben zu haben scheint (s. u.). Der in der Prager Ausgabe sich findende entsprechende Eigenname Bel ist dagegen aus Larie nicht zu erklären. Wohl aber verstehen wir die Form Bel, wenn wir annehmen, dass der Prager eine Form Lorel gelesen hatte und, absichtlich oder aus Vergesslichkeit, nur den zweiten Bestandteil des Wortes, Bel, wiedergab. Ferner beweist auch die Eigentümlichkeit des Prager Druckes, alles möglichst weitläufig zu erzählen, dass er keinesfalls der ursprüngliche gewesen ist. So hören wir z. B. die 2) Sämtliche Ausgaben sind in Oxford — und wohl nur da —־ vorhanden. 2) Vgl. darüber Perles in Frankel-Grätz ״Monatsschrift“ 1876, S. 361. 2

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