Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Journal
- Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Volume
- VIII (1904)
- Issue
- 4 (Juli-August 1904)
- Date
- 1904-07-01
- Page
- Seite 109 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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169 MONUMENTA Hungariae judaica. Pablicari fecit societas litteraria hungarico-judaica. Tom. I. 1092—1539. Oooperante Mauricio Weise studio Arminii Friss. (Auch mit ungarischem Titel.) Budapest, R. Lampel in Komm., 1904. XLI, 524 S. 8°. M. 10.— [Der israelitisch« ungarische Literaturverein, der ein reiches Arbeite- Programm besitzt, hat vor mehreren Jahren eine eigene ״Urkunden- Kommission“ eingesetzt. Die Aufgabe dieser Kommission bildet die Sammlung aller historischen Quellen, die sich auf die Vergangenheit der Juden in Ungarn beziehen. Da diese Quellen zum Teil in Archiven vergraben, zum Teil in verschiedenen Fachwerken zerstreut sind, erfüllt die genannte Kommission ein altes Desideratum der Wissenschaft, indem sie die zerstreuten Glieder zu einem Korpus vereinigt und die Arbeit der Forscher erleichtert. Sie entfaltet unter der Leitung des namhaften ungarischen Historikers Dr. J. Acsädy eine anerkennenswerte rege Tätigkeit, denn sie bat in einer kurzen Frist von etwa vier Jahren den ersten stattlichen Band der ״Urkunden-Sammlung“ fertig gestellt und veröffentlicht. Er ist von Dr. A. Friss redigiert dem Dr. M. W eisz als Mitarbeiter zur Seite stand. Der vorliegende Band bietet insgesamt 358 Urkunden, von denen die erste aus dem Jahre 1092 und die letzte aus dem Jahre 1539 datiert ist (1—441). Das Jahr 1540, das in der Geschichte Ungarn’s einen Wendepunkt bildet, bedeutet auch für die Juden den Anfang einer neuen Epoche, weshalb bei diesem Zeitpunkt mit Recht ein Einschnitt gemacht wird. Ein Nachtrag bringt noch weitere sieben Urkunden und aus verschiedenen städtischen Rechnungsausweisen 36 Pi&cen (442—479). Der ausführliche lateinische Index, der sich auf die Urkunden beschränkt, umfasst 48 Seiten zu je zwei Kolumnen (482—524). Die dem eigentlichen Werke voraufgehenden XL Seiten enthalten eine Inhaltsangabe, ein Vorwort (Acsädy) eine Einleitung (Friss) und einige Bemerkungen über die befolgte Methode beim Abdruck der Urkünden (Gärdonyi). Die Inhaltsangabe am Kopfe der einzelnen Urkünden ist wohl in ungarischer Sprache abgefasst, indess bietet für diejenigen Benützer, die des Ungarischen nicht mächtig sind, der schon genannte lateinische Index einen willkommenen Ersatz. Die Quellen, aus denen die Urkunden geschöpit wurden, sind die ungarischen Werke von Dr. Kohn (Gesch. d. Juden in Ungarn I), Dr. Pollak (Geseh. d. J. in Sopron), Fejer (Cod. diplom.) u. a.; ferner der Abschriften- Nachlass des ungar. Gelehrten J. Hajnik, der sich mit einer bahnbrechenden Arbeit über die Geschichte d. Juden in Ungarn ein hohes Verdienst erworben hat. Nur etwa ein Drittel war bisher nicht gedruckt und noch etwas weniger ganz unbekannt. Ausgebeutet ist namentlich das Archiv in Pozsony (Pressburg), wo sich nach der Versicherung des Herausgebers nunmehr keine einzige Urkunde aus der Zeit vor 1640 befindet, die er nicht abgedruckt hätte. Er gesteht indess selbst ein, dass in ־ den Archiven mehrerer alter Städte, die nicht durchgeforscht wurden, noch viel ungehobene Schätze liegen mögen. Angesichts dieser Tatsache muss man sich fragen, ob es nicht zweckdienlicher gewesen wäre mit der Drucklegung zu warten, bis wenigstens die bedeutendsten Archive durchgestöbert worden wären? Was nun den Inhalt der Urkunden betrifft, erwecken natürlich die ältesten das meiste Interesse. Aus der heidnischen Zeit der Ungarn (vor 1000) ist leider keine einzige Angabe über Juden erhalten, denn die erste Urkunde datiert aus dem Jahre 1092, die zweite aus 1100, die dritte aus 1222.