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Zeitschrift für hebraeische Bibliographie · 1904-07-01 · 4 (Juli-August 1904) · p. Seite 105

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Journal
Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
Volume
VIII (1904)
Issue
4 (Juli-August 1904)
Date
1904-07-01
Page
Seite 105 (sequence 9)
Language
German
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105 Anstatt den Begriff des Wunders in den Mittelpunkt zu stellen und in zielbewusster, slraffer Gedankenführung auf dieses Thema loszusteuera, zieht er allerlei andere Fragen, die mit dem Problem des Wunders oft nur in losem Zusammenhang stehen, in die Darstellung mit hinein und behandelt sie mit einer Ausführlichkeit und Breite, die das eigentliche Thema ganz in den Hintergrund treten lässt. Das mag wohl zum Teil daran liegen, dass bei einigen der hier in Belracht kommenden Autoren der sich ihm darbietende Stoff zu wenig ausgiebig war, als dass er sich auf das Grundthema hätte beschränken mögen. Allein es kam hier weniger darauf an, ein gewisses Gleichmass in den einzelnen Partieen herzustellen und der Darstellung eine grössere Ausdehnung zu geben, als sie durch eine sich streng an die Sache haltende Behandlung für die geschichtliche Erkenntnis des Wunderproblems fruchtbar zu gestalten. Aber auch mit dem Ton der Darstellung kann ich mich nicht durchweg einverstanden erklären; sie lässt an manchen Stellen die Ruhe und Abgeklärtheit vermissen, wie sie sich für eine wissenscbaftliche Erörterung geziemt. So schliesst der Verfasser z. B. die Darstellung der Lehre des Abraham ihn Daud mit folgenden Sätzen ab, die ihm selber vielleicht recht witzig erscheinen mögen, die ich aber ebensowenig für sachlich gerechtfertigt wie der Würde der Wissenschaft angemessen erachten kann. ״Die zuletzt angeführten Sätze sind charakteristisch für das Prinzip Abraham ihn Dauds nnd der Schule, der er io\gt: Die Glaubenssätze müssen in’s aristotelische resp. pseudoaristotelische System hineinpassen. 1*1 atzt auch der philosophische Mantel, so ist der Schaden nicht allzu gross; er kann, mit anderen ״Wissenschaften“, wie Hexerei und Astrologie, ausgeflickt, bei Repräsentationen noch immer gute Dienste leisten“ (S. 66). Das heisst nicht mehr Kritik üben, sondern der wissenschaftlichen Ehre eines ernsten Denkers zu nahe treten und ihn zum Komödianten herab würdigen. Und worauf gründet sich dieses Urteil? Auf ein einziges, kleines Sätzchen, in dem A. b. D. sich, wenn hier nicht, wie ich fast annehmen möchte, ein Textverderbnis vorliegt, zu dem Glauben an die Wirkung des ״bösen Blickes“ bekennt, den er doch nur aus der talmudischen Literatur übernommen hätte. In ähnlicher Weise verfährt der Verfasser mit Maimonides. Es ist mir nicht recht klar geworden, was er eigentlich gegen diesen grossen Denker hat, ob ihm Maimonides zu orthodox oder zu freisinnig ist, ob er ihn wie die Antimaimunisfcen des XIII. Jahrhunderts vom traditionellen Standpunkt oder von dem eines Spinoza glaubt bekämpfen zu müssen. Aber an mehreren Stellen, wo er auf Schwierigkeiten stösst, die er zu lösen nicht im Stande ist, will er nicht sein eigenes mangelhaftes Verständnis, sondern Maimonides’ Methode dafür verantwortlich machen, schimmert die Tendenz hindurch, Maimonides der UnWahrhaftigkeit oder doch der absichtlichen Verhüllung der Wahrheit zu zeihen. Den Knalleffekt hat er sich, wie bei A. b. D., für den Schluss Vorbehalten. Dieser lautet: ״Da er bei seiner rationalistischen Weltanschauung alle Vorschriften des Judentums, die schriftlich und die mündlich überlieferten, bis auf’s Kleinste beobachtet hat, war er der festen Ueherzeugung, dass alle Gesetze auch von einem, dem seinen ähnlichen — wenn auch weit, weit grösseren — Geiste diktiert wurden. . . . Wünscht man aber von Kindern, dass sie lernen sollen, muss man ihnen Naschwerk als Erfolg des Fleisses versprechen, grossen Kindern etwas besseres, doch nur Lockmittel, nie den wirkliehen Preis des Eifers. So verfährt nach Maimonides auch die Schrift.

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