Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Journal
- Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Volume
- VIII (1904)
- Issue
- 2 (März-April 1904)
- Date
- 1904-03-01
- Page
- Seite 46 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 82% known words query
- IRI
…/2254995-7565913-7600139--1503-2256432- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
46 1) Ein aus׳ Frag stammender Goldschmied Procop Waldvogel, der in der .päpstlichen Stadt Avignon wohnte ״lehrte 1444 eiden Juden Davin von Caderousse die ■ ״scientia et practica scribendi“ und verpflichtet sich am 10. März 1446 ihm 27 litteras ebraycas formatas scisas in ferro bene, unacum ingeniis de fuste, de stagno et de ferro“ zu liefern, während der Jude als Gegenleistung dem Goldschmied die Kunst, Stoffe zu färben, beibringen sollte. Der Jude suchte sich seinen Verpflichtungen zu entziehen u.. würde daher zur Herausgabe ihm verpfändeter 48״ litterae gravatae in ferro“ aufge־ fordert und: zur Beteuerung, die ״dicta ars artificialiter scribendi“ innerhalb eines Umkreises von 30 Meilen ..geheim zu halten, gezwungen.“ Diese Dokumente wurden von Abb6 Requin gefunden und von ihm zuerst in einer Schrift: L’ imprimerie ä Avignon en 1444. Paris 1890, mitgeteilt. Es ist dieses die erste Erwähnung hebräischer Typen, doch verlautet nichts von einer, tatsächlichen Ausübung des Buchdrucks durch Davin. und ebensowenig über eine Ausbreitung der Druckkunst von Avignon aus. Dass Juden aus Caderoussein Avignon lebten ersieht man aus Revue d. üt. juiv. XII, 49 u. 194; . vgl. Gross, Gallia Judaica p, 549. . Die Litteratur über Waldvogel und seine .Entdeckung ist in Hartwig’s .*,Festschrift zum 500jährigen Geburtstage von Johann Guttenberg“ [= 23. Beiheft zum Centralblatt für Bibliothekswesen] Leipzig 1900 S. 16 f. 66 f. 225 Anm. 2 und 433 ff. [vgl. auch Meisner u. Luther, die Erfindung der Buchdruckerkunst. Bielefeld und Leipzig 1900 S. 109] verzeichnet. Der Name eines Lettemschneiders ist in der Geschichte des hebräischen Buchrucks so gut wie unbekannt, wir erfahren nur aus der Dedikation des von Gerson Soncino in Fano 1503 gedruckten Petrarca, dass seine hebräischen Lettern, die er in Fano verwendet, von Francesco da Bologna geschnitten wurden (vgl. Steinschneider, Aldus Manutius und Hieronymus Soncino in H. B. 1,126). 2) Der nach Rabbinowicz Catalog VI n. 643 in Leiria 1495 gedruckte טור אורח חיים, der in meinem Vortrag ״Ueber hebräische Inkunabeln“ Leipzig 1902 S. 9 als im Besitz der Frankfurter Stadtbibliothek bezeichnet wird* besteht aus 92 Blättern in klein Folio. Die ersten 12 Blätter nehmen Inhaltsverzeichnis u. Vorrede ein. ■Die erste Seite der Vorrede hat eine aus Tieren und Rankenwerk bestehende Randleiste Oben in'der Mitte der Leiste ist das Druckerzeichen: ein Widder־ mit der üeberschrift מעין גלם. Das Schlussgedicht lautet: אורח לחיים. כרטוס חקויים. כאצבע אלקים. כתיבה בהירה. עלומי אמונים. בדת אל מלינים. עאו נא רננים. מעום יגדיל התודה. אם תאבו ועמעתם. נעעה עאלתם. סייעונו אתם. אם אץ קמח אץ תורה.