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Zeitschrift für hebraeische Bibliographie · 1903-07-01 · 4 (Juli-August 1903) · p. Seite 121

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Journal
Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
Volume
VII (1903)
Issue
4 (Juli-August 1903)
Date
1903-07-01
Page
Seite 121 (sequence 25)
Language
German
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121 2000 Jahren nicht, obwohl die Juden sich als ßace erhielten und auf eine nationale Zukunft warteten, welche der Zionismus, mit ׳ oder ohne traditionelle Vergangenheit, jedenfalls mit einer hebräischen, d. h. neuhebräischen Sprache, zur Gegenwart machen möchte. Hingegen haben die Juden ihre eigentümlichen Gedanken und Gefühle in sehr verschiedenen Sprachen zum Ausdruck gebracht; ihre chaldäischen, griechischen, arabischen, spanischen und deutschen Schriften sind für die Kulturgeschichte der Juden nicht von geringerer Bedeutung als die hebräischen; Maimonides erklärte die Mischna arabisch, Saadia übersetzte und erklärte die Bibel arabisch, Mendelssohn übersetzte den Pentateuch ins Deutsche und hat damit eine Epoche in der Kulturgeschichte der Juden begründet. Güdemann (Mtschr. d. J. S. 247) spricht allerdings dem Hellenismus jeden Einfluss (!) auf das Judentum ab; wer sich der griechischen Sprache bedient, den hat schon ״das Idiom mit sich in eine fremde Gedankenwelt fort und von dem Kern des Judentums hinweggerissen“; und das liest man nicht etwa in hebräischer, sondern in deutscher, korrekter deutscher Sprache, wobei mir eine satyrische Bemerkung von Michael Sachs über Holdheim’s Predigten einfällt: ״Das einzige Jüdische darin ist Holdheim’s Deutsch“.1) Die jüdische Theologie hat zu dem Gebrauch anderer Sprachen, als der hebräischen, verschiedene Stellung genommen, schon unter den ältesten Karäern, und wie Zunz (Z. G.) die Ansichten über die Seligkeit von Nichtjuden gruppiert, so wäre eine Gruppierung der Ansichten über den Gebrauch verschiedener Sprachen interessant. Mag man nun von religiösem oder anderem Standpunkt aus darüber denken, wie man wolle, die Literatur der Juden kann das Schrifttum in vielen Sprachen sowohl als Quelle wie als Zweig .der Kulturgeschichte nicht ausschliessen, der Ausdruck ״Jüdische Literatur“ im Sinne von Literatur der Juden in allen Sprachen hat bisher keinen Anstoss erregt. Das neueste Heft des Jew. Qu. ßev. enthält (p. 583 ff.) l) S. 232 wiederholt Güdemann seine Behauptung, das Judentum sei תורה d. h. ״Lehre“, im strikten Gegensatz zum Gesetz: ״das Judentum ist zunächst eine Religion des Lernens und Forschens“; das erinnert an תורה theoria; die bekante Sentenz לא המדרש עקר ist doch nicht als unjüdisch von G. unberücksichtigt geblieben? Faktisch ist vor der talmudischen Zeit von einer ״Forschung“ nicht die Rede; dann kommt der דרוש, die homiletische Bibelauslegung, später דרשה Predigt. תורה היא וללמוד אני צריך ist nicht ״Forschung“. In den Jeschibot pflegte der Talmudjünger als Sabbatgast (״Plet״), wenn der Wirt ein Gelehrter war, ein ״Wörtchen תורה“, d. h. eine sinnreiche oder absurde kurze Diskussion zum Besten zu geben. — Keine Religion ist ״zunächst Forschung“; jede fordert die Kenntnis ihrer heiligen Quellen. Juden und Judentum sind durch ihre Geschichte Gelehrte und Gelehrsamkeit geworden, zuletzt auch Gelehrte, die nach einer bekannten Anekdote, ״nicht lesen und schreiben können“ [ausser hebräisch].

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