Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Journal
- Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Volume
- VII (1903)
- Issue
- 4 (Juli-August 1903)
- Date
- 1903-07-01
- Page
- Seite 120 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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120 Dankei bleibt, wie der Fortschritt selbst, nach dessen Ursprung geforscht wird, wenn er Gemeingut geworden, über die Schranken der Nationalität hinaus Verbreitung gefunden hat.1) Die Wissenschaft hat zu verschiedenen Zeiten ihr Organ gerade nicht in der ״Mutterspräche“ gefunden, ihre Terminologie wird jezt absichtlich und künstlich aus den klassischen Sprachen gebildet, welche die Gelehrten aller Welt kennen; eine Uebersetzung in die lebenden Sprachen nützt dem Laien nicht viel, da ihm der Begriff dessen Entwicklung und Zusammenhang, nicht klar ist. — Namen neuer Erfindungen gehören nicht hierher. — Die Wissenschaft kann mit der Nationalität in schroffer Weise in Widerspruch geraten. Eine Nation im engeren Sinne, mit einer Muttersprache, ist eine erweiterte Familie oder ßace. Mit den körperlichen Eigentümlichkeiten vererben sich Begriffe, Urteile, Anschauungen und Gefühle, welche durch Erziehung bestärkt werden und zuletzt als Axiome gelten, die keines Beweises bedürfen — zum Teil Atavismus oder Vorurteil, ein gefährlicher Feind der Aufklärung, d. h. des Denkens überhaupt.2) Streng genommen dürften ,wir also nicht von ״griechischer Medizin“, ״arabischer Mathematik“, ja nicht von ״griechischer, deutscher Wissenschaft“ sprechen, sondern nur von Galen’scher Medizin, Platonischer Philosophie. Allein das deutsche Adjectiv hat die weitestgehende Anwendung gefunden und kann auch jede Beziehung zweier Begriffe bezeichnen, so dass deutsche Philosophie so viel als Philosophie bei den Deutschen bedeuten kann, ohne Rücksicht darauf, ob sie, wie es eine Zeit lang der Fall war, in lateinischer Sprache, oder in französischer ihren Ausdruck fand, und in diesem Sinne spricht man von jüdischer Wissenschaft als Wiss. der Juden, bei den Juden, ja sogar im Sinne von Wiss. von den Juden, d. h. des Judentums, oder wie Nöldeke vorgeschlagen hat, Wiss. vom Judentum. Wie steht es nun mit der Literatur? Hier fällt in der Regel Nation und Sprache zusammen, die deutsche Literatur ist die Literatur der Deutschen; zur französischen rechnet man nicht, was durch längere Zeit in verschiedenen Ländern in französischer Sprache geschrieben wurde. Die jüdische — hier stehen wir vor einer Erscheinung, die einzig in ihrer Art, also nicht ohne Weiteres nach Analogien zu beurteilen ist. Eine ״jüdische“ Sprache giebt es seit ף Oriental. Litzeit. 1902 S. 95. a) Der sehr beliebte Gegensatz von ״Verstandesnnd Herzens-Bildung“ beruht auf unklarer Psychologie. Herz, Gemüt, Gefühl, ist das Pacit anregender Vorstellungen, deren Eichtigstellung allein durch Denken bewirkt werden kann•