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Zeitschrift für hebraeische Bibliographie · 1903-07-01 · 4 (Juli-August 1903) · p. Seite 119

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Journal
Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
Volume
VII (1903)
Issue
4 (Juli-August 1903)
Date
1903-07-01
Page
Seite 119 (sequence 23)
Language
German
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119 mechanische als die innere stilistische, gewährt keinen Einteilangsgrund. In neuerer Zeit druckt und schreibt man vieles Deutsche mit lateinischen Lettern; wird ein Germanist das zur Einteilung erheben, geschweige das lateinisch geschriebene oder gedruckte Deutsch ausscheiden? Bis zu diesem Unsinn hat sich noch Niemand verirrt; ich komme darauf zurück. Für die Geschichte der Schreibkunst und der Typographie spielt der Inhalt keine Rolle — über das ägyptische Hieratische und Dämotische hat man lange irrige Vorstellungen verbreitet — selbst die Sprache hat hier oft nur unbedeutende Modifikationen bewirkt, wie in der arabischen bei Persern und Türken, welche bekanntlich die arabischen Buchstaben adoptierten, wie überhaupt die Erfindung der Buchstaben semitisch ist und doch bei allen Ariern Eingang fand. — Eataloge von Handschriften, namentlich orientalischer, werden meist nach der Schrift verteilt, vielleicht weil ursprünglich der Verzeichner eine Schrift besser zu lesen verstand; aber in München sind die arabischen mss. in hebr. Schrift in Aumer’s Katalog der arabischen (mit meiner Beschreibung) eingereiht worden. Literaturgeschichte und Bücherkunde können auch als Quellenkünde behandelt werden; dann wird es die Aufgabe gesunder Kritik sein, sie nach ihrem Verhältnisse zu den berichteten oder verschwiegenen Tatsachen zu unterscheiden, z. B. in zeitgenössische oder jüngere u. s. w. — Literatur, d. h. Schrifttum, kann auch als Zweig der Kulturgeschichte einer betr. Nation behandelt werden, und das führt zu der modernen Bezeichnung Nationalliteratur, worunter man eine Zeit lang, wenigstens in Deutschland, z. B. bei dem hervorragenden Germanisten Gervinus, vorzugsweise die sogen, schöne Literatur (Belletristik, Volksliteratur) verstand, wohl deshalb, weil die Nationalität, das Volkstümliche — dessen Manifestation jetzt auch Folklore heisst, in dieser Schriftengattung in der Genialität des Individuums nicht untergeht, wenn auch in einzelnen Arten, z. B. in der Fabel und Märchenliteratur, die fremdesten Stoffe die grösste Verbreitung finden (vgl. G. Diercks, Die Araber im Mittelalter, 1882 S. 209). Dabei ist es nicht unerheblich, dass die Schriftstellerei überhaupt eine Kunst ist, und der Stil ist nicht allein, wie Büffon sagt, der Mensch (״le style c’est l’homme“), das Individuum, sondern die besondere Sprache ist das Erzeugnis und zugleich das Vehikel einer Entwickelung nationaler Denkweise. Das diametrale Gegenteil ist von unserem Gesichtspunkt aus die freie, voraussetzungslose Wissenschaft, welche durch nationale Bedingungen, Einrichtungen, Landesbeschaffenheit, Retigion u. And. gefördert und gehemmt werden kann; ihr inhaltlicher Fortschritt gehört aber dem Individuum, welches allerdings nicht selten im

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