Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Journal
- Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Volume
- VI (1902)
- Issue
- 6 (November-Dezember 1902)
- Date
- 1902-11-01
- Page
- Seite 176 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Kleider tön Ai änlegten, um in Jerusalem nicht erkannt zu werden, nicht im mindesten von einer besonderen Tracht der Christen, sondern nur von der Tracht von Ai die Rede. — Zu 199,28. Der Name קרקמוס ist vielleicht aus dem ital. carcame (= Aas, Luder) zu erklären. — Zu 209,♦2 ff. Die Theorie der Kirche von der grossmütig anerkannten Existenzberechtigung der Juden findet sich bereits bei Glaber Rudolphus (Mitte des XI. Jahrh.), s. Bouquet, Recueil des hist, des Gaules 10,, p. 84, dann öfter im XVI. Jahrh., so im Decret von Paul IIL bei Stern, Urkundl. Beiträge N. 96; Paul IV. 1565 in Decret. V, I, 4; Paul V. in der Bulle vom 26. Febr. 1569. Aus dem XVT. Jahrh. stammt vielleicht auch die von Wagenseil abgedruckte Recension von TJ. — Zu 221. Verf. übersetzt מי בולט bei Huldr. mit ״Wässer der Fäulniss“. Da es aber nach H. p. 26 und 48 ein Wasser ist, das die abgeschorenen Haare nicht wieder wachsen lässt, also ein Enthaarungsmittel, so vermute ich, dass es sich um eine mit Eichenrinde (־ בלוט= Eiche) bereitete Flüssigkeit handelt.—Zu 222. Zwischen dem Vergessenstränke im Hause Pura’s, meint Vf., und dem Vergessensfürsten Pura muss irgend ein Zusammenhang herrschen. Ich glaube nicht. Der Name Pura ist (vgl. H. p. 60), um die Anwendung von Bibelstellen für die Messianität Jesu zu parodieren, absichtlich gewählt worden. T J lässt den Wirt in Jerusalem, bei dem Jesu einkehrt, Pura heissen, um daraufhin Jesum den Vers Jes. 63,3 פורה דרכתי לבדי auf sich anwenden zu lassen. Dem Vf. von TJ aber ist das Malheur passiert, Jesum unrichtig citieren zu lassen: פורה דרכתי בבואי מאדום, was offenbar eine Reminiscenz aus אנעים זמירות ist (פורה בדרכו בבואו מאדום). Wenn aber der Vf. von TJ im guten Glauben, פורה דרכתי בבואי מאדום sei richtig jesaianisch, oder vielleicht auch um die Bezeugung der Messianität Jesu durch ein absichtlich entstelltes Citat noch mehr zu parodieren, oder weil פורה דרכתי לבדי im Munde des nicht allein, sondern in Begleitung •vieler bei Pura eingekehrten Jesu nicht passt, diesen sagen lässt: עלי נאמר כי עתה אני מאדום באתי לבית פורה, wie kommt der Verf. des ״Leben Jesu nach jüdischen Quellen“ dazu, S. 160, 16 aus den Worten כי עתה אני מאדום באתי ernstlich den Schluss zu ziehen, dass nach TJ der Schauplatz der früheren Thätigkeit Jesu in Rom zu suchen sei? Das Wasser des Vergessens, das Jesus bei Pura getrunken haben soll, ist notwendig, um zu erklären, dass Jesus, trotzdem er im Besitze des Schern ha-mephorasch war, sich doch nicht retten konnte, weil er eben die rechte Anwendung des Schern vergessen hatte. Uebrigens ist auch S. 293, Note 19 gezeigt, dass der Name des ״Fürsten der Vergessenheit“ nicht פורה sondern פותה heisst und dafür irrtümlich פורה erst seit dem Ende des XVI. Jahrh. vorkommt. Aus dem S. 226—230 über die Petruslegende gesagten sei ein Stück hervorgehoben, das die ganze Schwäche der Beweisführung des Vf. zu Gunsten des hohen Alters von TJ verrät. Die Petruslegende stempelt bekanntlich den Apostel zum Verfasser von Pijjutim. Demnach, so folgert der Vf., ״kann die bezügliche Legende nicht älter sein als das 8. Jahrh“. Aber Petrus soll auch das viel ältere Nischmath-Gebet verfasst haben. ״Demgemäss“, so fährt der Vf. fort, ״kann aber die Legende bedeutend älter sein, das Toldoth aber, dem die Legende angeheftet ist, muss an hohem Alter auch noch diese überragen“. Muss? Als ob nicht eine noch so alte Petruslegende einem noch so jungen TJ einverleibt oder angehängt sein könnte. Nicht minder gewagt ist ״die Entdeckung“ (S. 231), dass die wirklichen oder fabelhaften Vorgänge bei der Kreuzigung allem Anscheine nach den Anstoss