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Zeitschrift für hebraeische Bibliographie · 1902-11-01 · 6 (November-Dezember 1902) · p. Seite 173

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Journal
Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
Volume
VI (1902)
Issue
6 (November-Dezember 1902)
Date
1902-11-01
Page
Seite 173 (sequence 13)
Language
German
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173 muss denn, in dieser Confusion Einsicht und Absicht liegen? Muss in den Unsinn der Unwissenheit durchaus Methode gebracht werden? Das eben ist es, worin wir dem Vf. nicht folgen können, dass er mit aller Gewalt und nicht selten mit Hilfe halsbrecherischer Vermutungen sieh müht, aus den wertlosen Angaben des TJ Bedeutsames heraus- oder in diese Angaben Wichtiges hineinzudeuten. Schon in seiner ältesten Gestalt bei Raym. Mart, ist das TJ nichts weiter als ein Gemisch von legendarischen Berichten und Zügen aus Talmud und Midrasch, mit präparierten Zuthaten aus den Evangelien, Folklore und freien Erfindungen einer hassgeschwängerten Phantasie versetzt, und die später hinzugekommenen Ingredienzien, die einen geradezu widerlichen Duft verbreiten, tragen nicht dazu bei, das Ganze wohlschmeckender zu machen. Die freie Erfindung hat bei der Composition des TJ eine weit grössere Rolle gespielt, als der Verf. des ״Leben Jesu nach jüdischen Quellen“ zugeben möchte. Denn warum hätte der färbenreiche Pinsel der erfindungsreichen Agada, die amplificierend die Gestälten des Altertums, die einen liebevoll,' die andern gehässig ausmalt, gerade vor der Person Jesu Halt machen sollen? Wenn hochstehende Gelehrte, wie z. B. Kalonymos b. Kalonymos und andere nach ihm, in sog. Purim-Traktaten mit erdichteten agadischen und halachischen Aussprüchen das Heiligste zu parodieren und zu persiflieren sich erlaubten, darf es uns nicht Wunder nehmen, wenn niedere anonyme Scribenten die Person Jesu, die schon in der ältesten Agada tendenziös von Grund aus karikiert erscheint, durch Hinzufügung neuer erdichteter Züge und durch allerhand Retouchierungen noch mehr entstellt und verzerrt haben. Darum aber sind alle diese Zuthaten weit davon entfernt, geschichtlich wertvolle Notizen zu sein, ebenso weit von geschichtlichen Wert entfernt, wie der Heine’sche Midrasch, der um die volkstümliche Anwendung des Namens Schleiniehl als Unglücksmensch zu erklären, erzählt, Schimmel sei, als König Og von Basan seine Riesenhände zusammenschlug, zufällig dazwischen geraten und erdrückt worden. Derartigen selbstgemachten אגדות של דופי begegnen wir vielfach im TJ, von einer lebendigen Ueberlieferung über Jesum, die, wie Vf. meint, der im Talmud schriftlich fixierten und den neutestamentlichen Berichten parallel läuft, keine Spur. Es würde ein Buch kosten, um die kühnen Aufstellungen und Vermutungen des Verf. einzeln zu widerlegen. Die meisten sind von der Art, dass der aufmerksame Leser von selbst Bedenken tragen wird, sich ihnen anzuschliessen. Im Einzelnen sei Folgendes bemerkt. Zu S. 3, Z. 10 v. u. Die Replik des Salman Zewi war nicht lateinisch, sondern jüdisch-deutsch, und ist von Wülfer ins Lateinische übersetzt worden. Zu 9, Z. 3 v. u. Warum soll man dem gewandten Polemiker schwerlich glauben wollen, dass er nie ein TJ gesehen habe, da doch Wülfer (Ther. jud. p. 49) ihm Glauben schenkt? Gewiss hat Brenz damit Recht, dass dieses Büchlein geheim gehalten wurde. Dazu hatten die Juden allen Grund. Aber selbst im Geheimen haben nur sehr wenige es gelesen, da Exemplare dieser Schrift von äusserster Seltenheit waren. Dass Brenz es gelesen hat, steht fest, jedenfalls nur in jüd.-deutseher Sprache, da er hebräisch sehr wenig verstanden hat. Aber es ist sehr fraglich, ob er als Jude es gelesen oder erst als Getaufter von einem Christen es zu lesen bekommen hat. Die Annahme des Vf. (S. 11, Z. 9 v. u.), dass die ersten Tholdoth, ausgenommen vielleicht (s. S. 16, Z. 14) Wagenseils Recension, ursprünglich deutsch abgefasst und erst später ins Hebräische übersetzt worden sind, wahrscheinlich von Apostaten

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