Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Journal
- Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Volume
- VI (1902)
- Issue
- 6 (November-Dezember 1902)
- Date
- 1902-11-01
- Page
- Seite 171 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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171 Juden im Umlauf gewesene Schrift über Jesum scheint, worauf schon Gr ätz, Gesch, Y3 412 aufmerksam macht, ein apokryphisches aramäisches Evangelium gewesen sei, woraus Schemtob Ihn Schaprut in seinem handschriftlich enthaltenen אבן בחן eine Stelle citiert. Dass Hrabanus Maurus im 9. Jahrh. das TJ gekannt hat (S. 7), ist nicht nur unbewiesen, sondern auch unerweislich. Der S. 18 in* extenso mitgeteilte Passus aus Hr. M. beweist aber das gerade Gegenteil. Yon einer Schrift ist überhaupt nicht die Rede, sondern nur von* lächerlichen Behauptungen über Jesum. Der Name Pandera und die daran geknüpfte Bezichtigung der Maria stammt aus dem Talmud. Der Kohlstengel im Garten (in horto caulibus pleno), worauf Yf. grosses Gewicht zu legen scheint, hat mit dem nach TJ zum Kreuze verwendeten Kohlstengel nichts zu schaffen. Die Erzählung von der Leichenschändung im Munde der Juden des 9. Jahrh. ist eine Erfindung der Gehassten und Yerfolgten, die durch ohnmächtige Schmähungen sich hinter dem Rücken des Yerfolgers unblutig zu rächen suchten. Selbstverständlich sind derartige Auslassungen gegen das Christentum und die Person seines Stifters von Juden nur unter einander mündlich oder auch mit Tinte und Feder in aller Stille verbrochen worden. Aber ebenso selbstverständlich sind alle diese Blasphemien durch Apostaten, an denen es zu keiner Zeit gefehlt hat, verraten und nicht selten mit verleumderischen Zuthaten aus Eigenem bereichert worden. Die Existenz des TJ ist zuerst im XIII. Jahrh. durch einen Auszug bei Raym. Mart, in Pugio fidei II c. 8 p. 862 (Ed. Lips.) sicher bezeugt. Das Buch ist wohl erst nach den furchtbaren Juden- Verfolgungen der Kreuzzüge enstanden. Der im Juden aufgespeicherte Ingrimm über den Hass, der Tausende von unschuldigen Opfern hinweggerafft hatte, machte sich inverhältnissmässig harmlosen Schmähungen Luft, harmlos darum, weil an dem Hasse, der in ohnmächtigen Schmäh- Worten sein Müthchen kühlt, noch keiner der Angegriffenen gestorben ist. Schon aus einem zeitgenössischen Berichte über die Verfolgungen des ersten Kreuzzugs (Neubauer und Stern, hebr. Kreuzzugsberichte, Berlin 1902) ersehen wir, wie die Wut der schonungslos Vergewaltigten in Schmähungen gegen Jesum sich ergeht. Niemand wird den jüdischen Frauen von Mainz 1096 es verdenken, wenn sie, die mit eigener Hand ihre Kinder getötet hatten, um sie der gewaltsamen Taufe zu entziehen, von den Kreuzfahrern mit einem Steinhagel beworfen, grausame Thätlichkeiten mit giftigen Worten erwiedern und sterbend ihre Verfolger mit Schmähungen überhäuften, והיו מחרפות את התועים בשם התלוי המחולל והמשוקץ בן זנונים על מי אתם בוטחים ער פגר מובאש (Das. S. 9). Wer wollte es den Juden, die mit Schimpfwörtern, wie sceleratissimi, nequissimi, impii, nefarii u. dgl. in allen Sprachen mündlich und schriftlich immer von neuen überschüttet, deren Frömmigkeit, Glaubenstreue und Standhaftigkeit immer wieder als verruchte Halsstarrigkeit, nichtswürdige Verblendung u. dgl. gebrandmarkt wurden, verübeln, dass auch sie ihrerseits kräftige Schmähungen auf ihre Gegner und das, was jenen heilig war, ־im Geheimen ausschütteten? So erklärt sich die Abfassung einer Schmähschrift wie das TJ, das nicht etwa aus guten Christliehen Quellen geflossen, sondern nur ein Ausfluss der in Schmähungen sich ergiessenden Verbitterung über erlittene Verfolgungen und Beschimpfungen ist. Als Quellen des TJ kommen meiner Ansicht nach nur in Betracht 1. vor allem Aussprüche des Talmud sowie des älteren und jüngeren Midrasch, darunter auch solche, die ursprünglich nicht auf Jesum,-sondern auf irgend eine andere im biblischen oder rabbi-