Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Journal
- Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Volume
- VI (1902)
- Issue
- 6 (November-Dezember 1902)
- Date
- 1902-11-01
- Page
- Seite 170 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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170 schriftlichen Aufzeichnung geschöpft zu sein. Die damalige Behauptung, dass die Schüler den Leichnam Jesu heimlich entwendet hätten, um nachher zu sagen, er sei auferstanden, ist eine überaus naheliegende Combination, die als historische Quelle ebensowenig angesehen werden kann, wie die von Neueren versuchte Erklärung der Auferstehung Jesu als eines Wiedererwachens aus dem Scheintode. Ueberdies ist, wie der Verf. selbst bemerkt, aus Tertullian nicht einmal so viel mit Sicherheit zu entnehmen, ob die dort berichteten blasphemischen Behauptungen über die Person Jesu von Juden herrührten. Geradezu unbegreiflich ist es, wie Verf. dazu kommt, die Worte Tertullians ״eine vorzügliche Zusammenfassung alles dessen, was im Toldoth berichtet wird״ zu nennen. Die Angabe Tertullians vom Gärtner und vom Kraut, angeblich ״ein wesentliches Moment im Toldoth״ ist durchaus nicht wesentlich genug, um ex ungue leonem zu erschliessen. Gärtner und Garten bei Tert. erklären sich höchst einfach ohne Zuhilfenahme eines TJ daraus, dass auch Joh. 19, 44 von einem Garten spricht, worin Jesus zu Grabe gelegt worden sei. Dass nun auch von Kraut oder Salat, der in diesem Garten gewachsen sei, bei Tert. die Rede ist, kann doch nicht im Ernst als wesentlich gelten, da die meisten damaligen Gärten Gemüsegärten waren (vgl. z. B. ירק של גננין Jer. Ter. XI, 48a). Ueberdies hat das Kraut, das nach TJ seinen Stamm zum Kreuze Christi hergegeben hat, mit dem Kraut des Gärtners bei Tert. auch nicht das allermindeste zu schaffen. Auf nicht minder schwachen Füssen stehen die weiteren Beweisführungen des Verf. Wenn zur Zeit Constantins des Grossen eine Disputation zwischen Juden und Christen wirklich stattgefunden hat, so ist es zwar durchaus naheliegend, dass diese sich auch auf die Genealogie Jesu bezogen haben wird. Aber daraus lässt sich noch keineswegs der Schluss ziehen, dass ״jene Altercatio, Disputatio oder Synode . . sich mit denselben Fragen beschäftigte, die in dem TJ verhandelt werden״ .״Die Disputation, Helene und Constantin, Rom und Judaea und endlich die Verfolgung der Juden״, alle diese Elemente zusammen, die in einem Cat. ms. über jene Altercatio Vorkommen, sollen nach der Meinung des Verf. gerade das sein, was für das Verstandniss des TJ notwendig ist. Selbst nachdem ich das Buch des Verf. gewissenhaft durchgenommen habe, scheinen mir seine Argumente auch nicht im mindesten beweiskräftig. Die angebliche Bezeugung des TJ durch Suidas (S. 4) ist schon von Bischoff in seiner Anmerkung beleuchtet und fast auf Null reduciert worden. Sie ist thatsächlich völlig gleich Null, denn wenn Vf. dazu bemerkt: ״Nicht in der Frage über die Geburt Jesu, sondern darin, dass die Erzählung des TJ von dem Verhör Maria’s literarisch bezeugt ist, dient uns Suidas zum Beweise״, so möchten wir doch den Verf. fragen, ob die Erzählung von Maria’s Verhör über die Vaterschaft Jesu sich nicht einfach als weitere folgerichtige Erfindung an die schon vom Talmud bezeugte Verdächtigung der Geburt anschliesst, ohne dass man für dieses Verhör das TJ als Quelle hinzuzunehmen braucht. Agobard von Lyon im 9. Jahrh. soll, so meint der Verf. S. 6 ff., das Werk TJ selbst oder ein ähnliches gekannt haben. Die daselbst in extenso angeführte Stelle setzt allerdings eine bei den Juden vorhandene Schrift über Jesum voraus, die aber gerade das Wesentliche des TJ, die Verunglimpfung seiner Geburt, nicht enthält, auch sonst mit dem Inhalte unseres TJ fast nichts gemein hat, sondern Jesum als jtivenem quendam honorabilem et . . eruditum und nur zuletzt propter plura mendacia accusatum und als magum detestabilem darstellt. Die im 9. Jahrh. unter den