Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Journal
- Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Volume
- V (1901)
- Issue
- 3 (Mai-Juni 1901)
- Date
- 1901-05-01
- Page
- Seite 79 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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und דרש gewonnen war, mag nun dieser דרש in der alten Weise des מדרש oder in Form allegorisch-philosophischer Auslegungen gegeben worden sein. Und zwar läuft diese Unterscheidung für die Exegese der נביאים אחרונים darauf hinaus, ob man das Prophetenwort aus den Verhältnissen der Zeit heraus zu erklären sucht oder es typisch nimmt, als Ausdruck von Wahrheiten, ohne das Milieu zu berücksichtigen, in dem die Worte gesprochen sind. Die Vorkämpfer des פשט, wenn wir die eine Gruppe von Exegeten so nennen wollen, haben nie geleugnet, dass das Prophetenwort auch eine typische Bedeutung hat (sie erkennen z. B. an, dass Prophetenworte, die die nächste Zukunft zu verkünden scheinen, durchaus auch auf die messianische Zeit gehen können), sie stellen aber vor allem als Norm für die Erklärung auf, dass das Propbetenworfc von dem Könige, zu dem es gesprochen wurde, von dem Volke, an das es sich wandte, auch verstanden werden konnte, nur auf Verhältnisse Bezug nahm, die in dem Gesichtskreis der Hörer lagen. Gegen diese Forderung einer Exegese nun, die den einfachen Schriftsinn wiedergeben will, verstösst der Verfasser an vielen Stellen. Als markantes Beispiel seien nur die Einleitung und der Kommentar zu Obadja hervorgehoben. Der Vf. begnügt sich für die Feststellung des historischen Hintergrundes mit den Worten: ״Ueber Person und Zeit des Propheten fehlt es an bestimmten Angaben. Wir haben von ihm nur die Prophezeiung über Edom.“ Im folgenden ist von dem Vf. unter Edom das römische Weltreich verstanden. «Voll Ehrfurcht lauschen wir dem Prophetenwort das .... scheinbar nur von Edom sprechend aus dem Pragmatismus der Ereignisse vor unserem inneren Auge Züge in unverkennbarer Deutlichkeit erstehen lässt, die die Hauptmomente des Aufblühens und des Unterganges des weltbeherrschenden Horns Jahrhunderte später charakterisierten.“ Und wenn der Prophet auch nur «scheinbar von Edom“ spricht, so spricht er doch zunächst von Edom. Welche Begebenheit liegt hier zu Grunde, wann hat sie sich ereignet? Spricht V. 11 von einer Zerstörung Jerusalem^ oder nur von einer Eroberung? Und ein zweites: Der Vf. ist an einer Heihe von Schwierigkeiten mit Stillschweigen vorübergegangen. Wiederum nur ein Beispiel. Wir hören von dem Vf. nichts über das Verhältnis von Sacbarja Kap. 9—14 zu den vorhergehenden Kapiteln. Eine Erörterung hierüber ist umsoweniger zu umgehen, als die Exegese der einzelnen Verse hiervon abhängt. Die Erwähnung Ephraims, Aschurs und Mizraims muss mit der Annahme in Einklang gebracht werden, dass wir es nur mit Einem Sacharjah zu thun haben (die neuere bibelkritische Hichtung, die die Stücke 9—14 ganz spät ansetzt, könnte ganz gut zur Integrität Sacharjahs zurückkehren, wenn es nach ihr nicht unmöglich wäre, dass ein Prophet zwei Gedanken haben sollte.) Der Verf. bemerkt freilich zu Sach. 9,10 והכרתי רכב מאפרים וסוס מירושתם ונכרתה קשת מלחמה ודבר שלום לגוים ומשלו מים עד & ומנהר עד אפסי ארץ: Da zur Zeit Sacharjas das unter Ephraim stets begriffene israelitische Reich längst zerstört war und auch in den Zeiten des zweiten Tempels nicht wieder errichtet wurde, so ist והכרתי als Fut. ex. zu fassen (״Vernichtet werde ich haben die Kriegswagen aus Ephraim . . . und vernichtet wird sein der Bogen des Krieges und Frieden wird er den Völkern reden), wie Micha 5, 9 ff. bei der Prophezeiung gleichen Inhalts. Zu der letzten Stelle ist zu bemerken: ערכך ערבא צריך. Wir verstehen es nicht, dass der Verf. zu dieser Erklärung seine Zuflucht genommen, da doch zwei Verse weiter: כי דרכתי לי יהודה קשת מלאתי אפרים ועוררתי בניך ציון על בניך יון ושמתיך כחרב גבור, wo אפרים mit יון zusammen genannt