Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Journal
- Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Volume
- V (1901)
- Issue
- 1 (Januar-Februar 1901)
- Date
- 1901-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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15 nach dem Unicum der Bodleiana [Tolkowanie Tanhüma iz’ Jerusalima na knigu Proraku Joni St. Petersburg 1897, Druckerei der kaiserlichen Academie, pp. 97—168]. Auf Grund dieser Publication, die uns Herrn v. Kokowzoff wieder als bewährten Forscher auf dem Gebiete der jüdisch-arabischen Literatur zeigt, hat Poznanski es unternommen, eine Analyse von Tanhüm’s Commentar zu geben, da das russische Sprachgewand eine Benutzung derselben ungemein erschwert. Wir begrüssen dies um so freudiger, als wir hierbei noch manches Nähere über Tanhüm und seine Stellung in der exegetischen Literatur erfahren. Dankenswert ist z. B. die Liste der von Tanhüm citierten oder überhatipt benutzten Autoren, die uns P. giebt (p. 6—8). Der Commentar zu Jona selbst hat insofern besonderes Interesse, als Tanhüm der sprachlichen und sachlichen Erklärung eine allegorische Auslegung folgen lässt, die in Folgendem zusammengefasst werden kann: Jona, eigentlich die Taube, bedeutet die Seele, so wie auch das Wort in Cant. 5,2 u. a. zu verstehen ist, die nur zu zeitweiligem Aufenthalt in den Körper einzieht; letztere Anspielung ist enthalten in dem Worte נינוה, von נוה Wohnung. Die Seele, die ihrer wahren Bestimm ung nach — בן אמתי —ihrer Veredelung zustreben soll, versinkt in der groben Sinnlichkeit, welche Deutung dem Meer beizulegen ist, u. s. w. Die Ausführungen Tanhüm’s zeigen, ausser seiner vollen Hingäbe an die Ideen Maimünis, auch den Einfluss der neuplatonischen Philosophie, wie wir derselben bei den ״lauteren Brüdern“ in der arab. Philosophie, und besonders der Emanationstheorie, begegnen, die auch in die jüdische Philosophie übergegangen ist. Es ist nun merkwürdig, dass Tanhüm, dieser sonst so nüchterne und rationelle Exeget, in seiner allegorischen Exegese der Idee des Buches Jona sich vollständig den Darlegungen der Kabbala nähert, wie sie uns im Sohar entgegentritt (vgl. Poznanski p. 26—27). Ob nicht doch hierin der Einfluss der besonders im heiligen Lande herrschenden Mystik, die um jene Zeit in dem nach dort eingewanderten Nachmani einen hervorragenden Parteigänger gewann, einigermassen zu bemerken ist? Poznanski hat seiner eigentlichen Abhandlung noch eine Beilage über das Yerhältniss von Tanhüm zu Mose ibn Chiquitilla beigefügt, und so seine mit bekanntem Geschick und grosser Gründlichkeit geschriebene Studie durch einen sehr willkommenen Beitrag bereichert. Mit grosser Vorsicht prüft P. etwaige Entlehnungen Tanhüms aus Chiquitilla’s Werken, und stellt als solche nur diejenigen Berührungen fest, wo Tanhüm die Ansichten J. Ch.’s entweder ausführlicher als Abraham ibn Esra, sein sonstiger Gewährsmann, wiedergiebt, oder wo dieser als Quelle überhaupt nicht dienen konnte. Von Einzelheiten sei Folgendes noch bemerkt: Zu p. 8: Betreffs der Benutzung David Kimchis als Quelle von Tanhüm vgl. meine Bemerkung Monatsschrift XLI p. 277.— Zu p. 10: Die Etymologie von גלים Jona 2, 4 findet sich schon bei Joseph Bamchi; vgl. meine Studien über Joseph Kimchi, Monatsschrift XL p. 406.— p. 18: Die verschiedenen von Tanhüm angeführten Erklärungen von 6 ,2 אפפוני finden sich auch bei dem dem XIV. Jahrhundert angehörigen Salomon b. Samuel, Verfasser eines hebr.-persischen Wörterbuches, das Bacher im letzten Jahresbericht der Landesrabbinerschule zu Budapest bearbeitet hat. Vgl. dort im hebr. Teil p. 17, Abschnitt 8 No. 9: אפן* מן אן* שהוא הגיעו עד אפי, (Ps. 40,18) קרוב לנשמה וממנו כי אפפו עלי רעות. — Zu p. 88 Amn. 1: Die von Joseph ben David angeführte Erklärung von 5|S־S Deut. 28,14 als ״Waffe“ mit Berufung auf das Targum zu Gen. 27,8,