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Zeitschrift für hebraeische Bibliographie · 1901-01-01 · 1 (Januar-Februar 1901) · p. Seite 10

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Journal
Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
Volume
V (1901)
Issue
1 (Januar-Februar 1901)
Date
1901-01-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 aus zweiter oder dritter Hand ungeprüft übernommene, auf Treu und Glauben abgeschriebene Citate? Kritik- und gedankenloses Nachschreiben ist selbst bei einer nicht wissenschaftlichen Arbeit unstatthaft. Am ärgsten macht sich dieses Uebel in der ersten Hälfte des Buches bemerkbar. Dass die Juden in Deutschland sich ״voller Duldung “erfreuten, bis der Beginn der Kreuzzüge den Religionshass entfesselte (S. 4), ist falsch. Noch falscher die ähnliche aber etwas weiter gehende Behauptung (S. 7), das gute Yerhältniss, welches bis zum XHL Jahrh. fast überall in Deutschland zwischen Christen und Juden bestand, wäre durch den Fanatismus der Kreuzzüge vernichtet worden. — Dass schon 960 die Juden als Eigenthum des Kaisers galten (S. 5), geht aus der Thatsaehe, dass sie damals von Kaiser Otto dem Erzbischof von Magdeburg unterstellt worden sind, durchaus nicht hervor. Denn zugleich mit den Juden sind auch die übrigen Kaufleute in den Jahren 965, 973 imd 979 (Urkunden bei Aronius, Reg. N. 129, 132, 133,134) der erzbischöflichen, bezw. bischöflichen Gerichtsbarkeit und Besteuerung unterstellt worden. Und dass auch die christlichen Kaufleute damals Eigenthum der Kaiser gewesen seien, wird wohl der Yerf. nicht zu behaupten wagen. — ״Die von Ditmar und Aronius erwähnte That- Sache“ (S. 5 Z. 8 v. u.), die auch von dem Dresdener ״Chronisten“ Lindau — es beliebt dem Yerf., ohne Unterschied jeden, der die Geschichte irgend einer sächsischen Stadt geschrieben oder zusammengeklittert* hat, mit der Bezeichnung ״Chronist“ zu ehren — erwähnt wird, ist an sich richtig, aber welche merkwürdige Zusammenstellung! Ditmar (Thietmar), Bischof zu Merseburg, ein Chronist des XI. Jahrh., und Aronius, recte Julius Aron, ein vor etwa ^10 Jahren in Berlin jung verstorbener Historiker! Dieselbe ergötzliche und bedenkliche Zusammenstellung hat der Yerf. auch schon in seiner REJ XXY, 218 ff. erschienenen Skizze ״Notes sur l’histoire des Juifs de Saxe“ sich geleistet. — S. 6 sind sämmliche Citate bis auf das aus Schlözer darum überflüssig, weil sie alle auf Schlözer zurückgehen und, worin sie von ihm abweichen oder über ihn hinausgehen, Ungenaues bieten. Das erste Citat S. 7 ist nichts als Füllsel, denn es gehört nicht zur Sache, ebenso das zweite, das übrigens, wie es hier angeführt wird, unauffindbar ist. Die Art und Weise der Anführungen S. 6 ״Chronik der Stadt Leipzig ed. Sparfeld“, und dann wieder ״ed. Schlözer“, wo es sich doch nicht um einen Herausgeber, sondern um den Yerfasser handelt, und überhaupt die bald fehlerhafte bald mangelhafte Form des Citieröns sei nur nebenbei gerügt. Schlimm freilich, sehr schlimm ist S. 12 Anm. 2 ״Möller, Freibergische Theatri Chronici“ und S. 17 noch zweimal so im Plural!, statt Theatrum chronicum Freibergense. Dass es in diesem Werke selbst oftmals Theatri chronici Über I. und ähnüch heisst, erklärt zwar alles, entschuldigt aber nichts. Sonderbar ist auch S. 12: ״wie die alte Cellische und andere Chronisten melden“. Die Annales des Klosters von Altzella (Ann. Yeterocellenses) sind gemeint. AehnÜch der Hinweis S. 19 unten: ״So erzählt das Petersburger Jahrbuch“. Wer wird da sofort errathen, dass Yerf. darunter das von ihm selbst S. 8 Anm. und S. 22 Z. 9 citierte ״Chronicon Sampetrinum“ meint? — ״Die Mehrzahl der Juden“, so vermuthet Yerf. S. 7, ״ist wohl erst von Magdeburg aus nach Leipzig gekommen“. Vielleicht aber auch von Merseburg und Halle, wo gleichfalls schon im X. Jahrh. Juden gewohnt haben? Wir wissen es eben nicht.—״Eine aus (!)dem Jahre 1248 datierte Urkunde Heinrichs des Erlauchten“ über die Juden (S. 8) giebt es nicht. Hier gerade ist der mit Belegen sonst so freigebige

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