Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Journal
- Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Volume
- IV (1900)
- Issue
- 6 (November-Dezember 1900)
- Date
- 1900-11-01
- Page
- Seite 173 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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1?3 die Schrift daher gleichsam ein Rechenschaftsbericht über seine eigene Thäügkeit geworden, die den greisen Yerf. vollauf befriedigen kann.] WOHLGEMÜTH, J., Zum Unterricht in der Bibel [=== Beilage zum 30. Bericht der Religionsschule der Israelitischen Synagogengemeinde (Adass-Jisroel) zu Berlin]. Berlin 1899. 18 S 8°. [So sehr wir für die Kenntnis der hebräischen Sprache eintreten, so sehr wir ferner für die Erlernung derselben in den jüdischen ReligionBschuien gestimmt sind, weil wir dieselbe für einen wichtigen Faktor zur Erhaltung des Judentums betrachten, die uns schon ausserlieh daran erinnert, dass den Juden in Ost und West, in Süd und Nord ein gemeinsames Band, nämlich der Glaube an ihre erhabenen Religionslehren, umspannt, so wenig können wir uns durch die uns vorliegende Beweisführung überzeugt erklären. Wenn es wahr ist, dass »eine wirkliche Kenntnis der Bibel, ein wahrer Einblick in die künstlerische Vollendung der biblischen Literatur werket nur durch das Studium der hebräischen Bibel gewonnen werden kann, 80 müssten wir für alle Nichthebraisten die wahre Würdigung der Heiligen Schriften verneinen. Was anders aber hat unsere grossen Dichter Schiller und Goethe beim Lesen der Bibel angezogen, als die ästhetische Seite derselben, und diese lasen die Bibel doch in Uebersetzungen. Gar nicht verstehen wir, dass ein Jüngling, der die Kenntnis besitzt, die Bibel im Urtext zu lesen, schwerer auf die Bahn geraten 8011, die Ceremonialgesetze des Judentums zu negieren. Ein Blick in’s reale Leben, auf die jüdischen Jünglinge, die vom Osten nach Berlin streben, ausgerüstet^ nicht nur mit der Kenntnis der hebräischen Bibel, sondern vielfach auch der des Talmuds, sollte den Verf. doch eines anderen belehren. Vor die Tugend haben die Götter den Schweiss gestellt; nur das bleibt im Gedächtnis haften, meint der Verf., womit man sich abgemüht. Ganz recht! Aber giebt es kein anderes Mittel, den Schüler abzumühen, als ihn mit der philologischen Erklärung des Urtextes plagen? Erreicht man nicht auch durch Auswendiglernen der UebersetzuDg sein Ziel? Und ist es denn wirklich pädagogisch richtig, dem Schüler die Erfassung des Lehrstoffes zu erschweren? Mit derartigen Beweisen glauben auch wir, dass »eine Verständigung mit denen, die das Hebräische völlig aus dem Gottesdienst eliminiert wissen wollen, nicht gelingen wird« (S. 8). Was Verf. über die Art der Erlernung der hebräischen Sprache sagt, über die Verteilung des BibelstofFes n. a. m. verdient die Beachtung des Pädagogen. Die Kritik der gebräuchlichen Bibelübersetzungen, soweit sie von Juden stammen, ist cum grano salis richtig, ob durch die Uebersetzung des Verf.’s und J. Bleichrode besseres an die Stelle gesetzt ist, wollen wir nicht entscheiden.] — — Zur Erinnerung an Dayid Kaufmann (Sonder-Abdruck aus der ״Jüdischen Presse“ XXX. Jahrg. Nr. 30.) Berlin, fl. Itzkowski, 1899. 12 S. 8°. [Wahrhaft edle Worte dem Gedächtnis eines Mannes geweiht, der in des Lebens Blüte den Seinen und dem weiten Gebiete jüdischer Wissenschaft allzu früh entrissen ist. Was David Kaufmann auf dem Felde der Religionsphilosophie, der Literaturgeschichte, der Poesie, der Pädagogik, Homiletik, Geschichtswissenschaft und Kunstgeschichte geleistet hat, wird in formvollendeter Weise gewürdigt, die erkennen lässt, dass Verf. in den Geist der Schriften des Verklärten einge-