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Zeitschrift für hebraeische Bibliographie · 1900-09-01 · 5 (September-Oktober 1900) · p. Seite 146

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Journal
Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
Volume
IV (1900)
Issue
5 (September-Oktober 1900)
Date
1900-09-01
Page
Seite 146 (sequence 20)
Language
German
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146 Element, aus dem sich in letzter Instanz der Aberglaube herleitet, ist wohl das Deuten ans natürlichen und künstlichen Zeichen aufzufassen. Dann sprach man Namen, Buchstaben und Zahlen eine geheimnisTolle Einwirkung auf die Zukunft zu und kam so zur Magie. Entnimmt diese die Materialien zur Ausübung ihrer Kunst im wesentliehen dem Körperlosen, Sprache und Schrift, so geht die eigentliche Wahrsagekunst, die Mantik, vom sinnlich Gegebenen aus. In der Geomantie, die anfänglich im Sande der arabischen Wüste in der Form kleiner durch das Werfen von Steinchen hervorgerufener Yertiefungen ihre Thätigkeit entfaltete, liegt der Ursprung der Mantik. Die kleinen Erdlöcher wurden, als die Schrift dem gesprochenen Worte und der bildlichen Darstellung feste Gestalt und Verbreitung gab, durch Punkte fixiert. (Der Verfasser giebt in einem Anhänge eine Tabelle der geomantischen Figuren mit den entsprechenden lateinisehen Bezeichnungen). So wird die Geomantie zur Punktierkunst. Hier wird der Verfasser auf den Begriff des Loses geführt. Seine Entstehung liegt auf religiösem Gebiete. Ueber Leben und Tod wird schon in früher Zeit das Los geworfen und die Entscheidung als Gottesurteil angesehen. Eine weitschichtige, bis ins Mittelalter hinaufreichende Litteratur vermittelt und erhält diese Art heidnischabergläubischer Vorstellungen. Aelter noch als diese eigentlichen, für ihren praktischen Zweck der Vorhersage von vornherein bestimmten und eingerichteten Litteraturerzeugniese ist der bei Juden, Christen und Mohammedanern nachweisbare Brauch, den Pentateuch und die Psalmen, bezw. das Neue Testament und den Korän als Losbuch zu verwenden. Im zweiten Abschnitte werden die verwandten Begriffe von Aberglaube: Irrtum, Wahn, Vorurteil, welche Gegensätze des realen, folgerichtigen Denkprozesses darstellen, behandelt. — Im dritten Teile endlich beleuchtet Steinschneider das Problem des Aberglaubens von der sprachlichen Seite. Er verweist auf die beiden einzigen Zusammen- Setzungen mit ״aber“, die die deutsche Sprache kennt, auf ״Aberwitz“ und ״Aberglaube“ und definiert treffend jenen ״als eine Ueberhebung“, diesen als eine ״Erniedrigung des menschlichen Geistes.“ Sollte nicht Grimm recht haben, der (Dtsch. Wörterb. I, p. 32) zur Erklärung des Wortes auf das niederdeutsche overgeloof verweist, wonach Aberglaube als ein Ueber des Glaubens, etwa Ueberglaube entsprechend dem super in superstitio zu fassen wäre? Diese Etymologie dürfte auch wohl zu der von St. im folgenden gegebenen philosophischen Betrachtung über das Verhältnis des wirklichen Glaubens zum Aberglauben passen. — Der Verfasser schliesBt seine Abhandlung, von deren vielseitiger Bedeutung diese skizzenhaften Zeilen nur einen vagen Begriff geben können, mit den schönen, zusammenf&s8enden Worten: ״Es ist nichts unerquicklicher, als über den Glauben streiten, nichts edier, als seinen eigenen Glauben läutern — vom Aberglauben.“ F. Kaufmann, Frankfurt a. Jf.j VIOLA, MAX, Dr. Gutmann. Roman. Breslau, Schlesische Buchdruckerei, 1900. 258 S. 8°. — M. 3. W1LDEBOER, G., Jahvedienst und Völkerreligion in Israel in ihrem gegenseitigen Verhältnis. Vom Verf. durchgesehene deutsche Ausgabe. Freiburg i. Br., J. 0. B. Mohr, 1899. 44 S. 8. — M. 0,80.

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