Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Journal
- Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Volume
- IV (1900)
- Issue
- 5 (September-Oktober 1900)
- Date
- 1900-09-01
- Page
- Seite 141 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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141 Das nächste Objekt der Erkenntnis ist der Mensch sich selber. Da die Seele das Organ ist, durch das wir erkennen, will sie vor allem erkannt sein. Zugleich giebt uns die Beschäftigung mit der Psychologie einen Begriff von der Erhabenheit und allumfassenden Fähigkeit der Seele Die Gewissheit der Existenz gewinnen wir aus ihrer Bewegung, deren Ursache nicht im Körper gegeben sein kann. Das Wesen der Seele ist nach Analogie der Weltseele zu bestimmen. Wie diese, enthält sie gleich allem geschaffenen Sein Stoff und Form. Doch wie diese vor allem als eine universelle Form aufzufassen ist, die alle Formen in sich aufzunehmen vermag, so ist auch die Einzel seele eine Wesenheit, die das Wesen aller Formen substantiell in sich vereinigt. Und zwar sind diese a priori in ihr, wenn die Seele sie auch nicht ohne Vermittelung der Sinneswerkzeuge zu erfassen vermag, weil die Formen draussen in anderer Weise als in der Seele existieren (Cap. II.). In der Seele ist eine dreifache Abstufung anzunehmen: die vegetative, animalische und rationelle. Die untere Seelenstufe ist immer in der oberen mitenthalten. Von der Seele zu unterscheiden ist der Geist. Die Seele ist das Organ des diskursiven, der Geist das des intuitiven Denkens, die Seele erfasst das Aeussere, der Geist das Innere der Dinge, der Geist erfasst die einfache einheitliche Form, die Gattungen und Arten, die Seele die Unterschiede, die Accidenzen. Die Stellung des individuellen Geistes zwischen dem universellen auf die Seele inlinierenden Geist und dem von der Möglichkeit zur Wirklichkeit übergegangenen Geist, der aber ein Teil der Seele ist. bleibt bei G. unklar (Cap. III). Die Einzelseele ist ein unteilbarer Teil der Weltseele, ihr Schicksal ist an die Ordnung und Leitung des Alls geknüpft. Die Gestirne haben Einfluss auf die Seele, doch hat der Mensch diesen Einfluss durch Selbstthätigkeit zu unterstützen. Die Wechselwirkung zwischen Körper und Seele vollzieht ein Medium, das Pneuma. Die Verbindung zwischen Seele und Körper ist analog der des Lichtes mit der Luft zu denken, die einander durchdringen und doch für sich bleiben. Doch ist nicht der Körper der Raum für die Seele, sondern diese ist der intellegible Ort für jenen, wie immer das Niedere in dem Höheren ist. Das Centralorgan der Seele ist das Gehirn (Cap. IV.). Alle Erkenntnis wird durch die Form vermittelt. Wahrnehmung kommt zu Stande durch einen Abdruck der Form im Sinnesorgan, höhere Erkenntnis durch eine Berührung der intellegiblen Form mit der Form des Geistes. Wie es von Seiten der Seele immer nur die Form ist, die erfasst, so kann auch nur die Form Gegenstand des Erkennens sein, denn Gleiches kann nur durch Gleiches erkannt werden. Durch die Erkenntnis gewinnt die erkannte Form eine reale Existenz in der Seele. In seiner Ethik geht G. des Näheren auf die einzelnen Sinne ein, bespricht das Zustandekommen ihrer Thätigkeit und ihre Bedeutung. Ebenso werden dort gewisse Tagenden und Laster mit den einzelnen Sinnen in einen freilich nur äusserliehen Zusammenhang gebracht (Cap. V). Die Seele ist nachG. präexistent, ihre Erkenntnis hier auf Erden beruht auf Wiedererinaerung, ihre Aufgabe ist, durch Erkenntnis und That ihre ursprüngliche Reinheit wiederzuerlangen (Cap. VI). Der Mangel an Raum verbietet es uns, auf die mannigfachen Anregungen, die in den Anmerkungen textkritischen und sachlichen Inhalts gegeben werden, näher einzugehen. Dr. J. Wohlgemuth.]