Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Journal
- Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Volume
- IV (1900)
- Issue
- 4 (Juli-August 1900)
- Date
- 1900-07-01
- Page
- Seite 106 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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106 sicht zu Werke gingen, durch die genaueste Kenntnis der hebräischen Sprache und die durch die grossere Zeitnähe bedingte weit grössere Vertrautheit mit den einschlägigen Verhältnissen, wahrscheinlich auch durch den weit ausgedehnteren Umfang der ihnen zu Gebote stehenden Hilfsmittel in vielen Hinsichten unsern modernen Gelehrten gegenüber natürlicherweise im Vorteil sind. Und setzt man sich schliesslich über diese Bedenken hinweg, in keiner Weise dürfen die auch bei jedem andern Literaturprodukt selbstverständlichen und von der älteren Kritik fast durchweg beachteten Forderungen vernachlässigt werden: nämlich, dass die Emendationen einigermassen auf den vorliegenden Consonantenbestand Rücksicht nehmen, dass aber vor allem der verbesserte Text auch wirklich besser, d. h. lesbarer und verständlicher ist, und den Ge setzen und dem Geiste der Sprache möglichst Rechnung trägt. Aber von all’ diesem ist in der neuesten Kritik auch keine Spur zu finden, und oft genug wird der vorliegende Text und der Geist der hebräischen Sprache in einer Weise vergewaltigt, dass man absolut nicht versteht, wie diese ״Verbesserungen“ für den ursprünglichen oder überhaupt für einen biblischen Text ausgegeben werden können. Als die Mesa-Inschrift zum ersten Mal bekannt wurde, bezweifelte ein namhafter Orientalist die Echtheit derselben mit der sonderbaren Begründung, dass sie jeder bibelkundige jüdische Kaufmann ohne weiteres verstehen könnte. Ob dieser Ein wand dort berechtigt war, lassen wir dahingestellt sein; die Thatsache aber, dass hier das gerade Gegenteil der Fall ist, beweist sehr deutlich, dass die Textrekonstruktion der modornen Kritik, weit entfernt, dem Original oder auch nur dem Geiste des Originals nahezukommen, lediglich künstliche, ihren Ursprung leicht verratende Phantasiegebilde der europäischen Gelehrten ist. Einige Beispiele, die wir aufs Geratewohl aus dem vorliegenden Werke herausgreifen, werden, wie wir überzeugt sind, unser Urteil in all’ seinen Punkten rechtfertigen. Jes. 2,16: ועל כל אניות תרשיש ועל בז* שמות החמדה wird zunächst (S. 80,45) שמות in כסאות verändert, dann ab8r in den Addenda (194, 8 u. 5) frisch-fröhlich ארמנית השן und כסאות הבנים substituiert (abgesehen von der völligen Unvereinbarkeit mit dem vorliegenden Text, auch poetisch höchst geschmacklos, da das zweite Parallelglied gegen das erste furchtbar abfällt). — Jes. 5,7 wird statt משפח das den Reim zerreissende und durch seine Identität mit dem folgenden צעקה absolut unpassende מרזח eingesetzt (man lese einfach das durch den Reim unbedingt erforderliche משפח mit sc hin, sachlich und sprachlich gleich ar. ~su*9 welches speciell ״Blutvergiessen“ bedeutet (vgl. den Beinamen des o ersten Abbassidenchalifen Essaffab, der ״Blutvergiesser“), und der Vers ist vollständig in Ordnung (von Gesenius-Buhl sv. missverstanden) — Der äusserst markige und durchaus befriedigend zu erklärende Vers Jes. 9,4 wird, nachdem die ganze Stelle mit Gründen, die der Vf. gelegentlich (vgl. Introduction etc. p. 44) ״hypercritical“ nennt, für unecht erklärt worden ist, auf S. 89,12—18 zu folgendem Satze verwässert: וכל צנה בערה אש .ועגלה1) מגאלה מזים וקשת וחצים ואשפה יחדו והיתה מאכלת אש 1) Kein einziges Mal in der Bibel belegt.